Das Der Verein SüdFILMfest 2002
Filmbeschreibungen


Eröffnung

  • Eröffnung durch den Bürgermeister der Stadt Amstetten Herbert Katzengruber
  • Einführung durch den Obmann des Vereins SüdFILMfest
Vor dem Beginn des Films laden wir Sie noch zu einer kleinen Erfrischung ein.

Günese Yolculuk

Reise zur Sonne

In Günese Yolculuk (Reise zur Sonne) hat die türkische Regisseurin Yesim Ustaoglu in langwierigen Dreharbeiten mit militärischen Interventionen gleich mehrere Themen aufgegriffen, die in ihrer Heimat eigentlich tabu sind. Sie redet von Kurdistan, sie zeigt Aufnahmen von staatlicher Gewalt, und sie macht auf bewegende Art vor allem eines deutlich: Frieden ist dann möglich, wenn man sich wechselseitig ernst nimmt und akzeptiert. Um den anderen zu respektieren, müsste man sich bewusst werden, dass man an den meisten Orten dieser Welt ein Fremder, eine Fremde ist und man genauso gut in der Haut des anderen stecken könnte.

Zwei junge Männer aus entgegengesetzten Regionen der Türkei begegnen sich in diesem wunderbaren Film zufälligs in Istanbul und werden Freunde. Beide hoffen auf eine bessere Zukunft und versuchen, in der Großstadt ein Auskommen zu finden. Berzan stammt aus einem kurdischen Dorf im äußersten Osten und schiebt als fliegender Händler jeden Morgen seinen Karren mit Musikkassetten in die Stadt. Mehmet ist erst kürzlich aus der Westtürkei hier angekommen und findet einen Job bei den Wasserwerken, wo er mit einem archaisch anmutenden Hörrohr die Straßen nach geborstenen Leitungen abhorcht. Es ist, als würde er nach Strömungen suchen, die an der Oberfläche nicht wahrnehmbar sind, aber sehr wohl vorhanden und lebensspendend.

Mehmet hat es nie interessiert, dass Berzan Kurde ist. Was für ihn zählt, sind die Träume der beiden, die Freude am Zusammensein, die Nähe, die wohl tut. Wichtig ist ihm ihre Freundschaft, in der es kein Wenn und Aber gibt, in der das Zwischenmenschliche entscheidend ist und die Sehnsucht. Berzan sehnt sich nach seinem Heimatdorf zurück, wo er glaubt, dass seine Verlobte auf ihn warten würde, während Mehmet sich in Istanbul in die feinfühlige Arzu verliebt hat. Sie war in Deutschland aufgewachsen ("Was heißt: Ich liebe dich?" - "Es heißt: Seni seviyorum."). Inzwischen ist Arzu in ihre alte Heimat zurückgekehrt und muss hier erleben, wie rasch einer in den Verdacht kommen kann, der politischen Opposition anzugehören.

Freundschaft und Liebe stehen im Zentrum von "Reise zur Sonne", getragen werden sie vom Motiv des Wassers, das fließt und steht, das Leben spendet und Leben nimmt, das als vielsagende Metapher in reichen Variationen immer wieder auftaucht. Mehmet führt seinen auf ungeklärte Weise umgekommenen Freund Berzan in einer in jeder Beziehung bewegenden Reise aus Istanbul ans andere Ende der Türkei, in Regionen, in denen kaum je eine Kamera gefilmt hat, von deren Archaik uns Yilmaz Güney vor einem Vierteljahrhundert Zeugnis abgelegt hatte. Yesim Ustaolgu setzt seine Arbeit fort.

Die Regisseurin erzählt ihren hochgradig politischen Stoff auf packende Weise. Atmosphärisch dicht und stimmungsbewusst schildert sie Freundschaft und Liebe, feinfühlig charakterisiert sie ihre Figuren und eindrücklich gestaltet sie die Reise in den äußersten Osten ihrer Heimat, in bei uns kaum bekannte Regionen. Mit Geschick versteht Yesim Ustaoglu es dabei, politische Ereignisse in die erfundene Handlung einzuflechten und ein subtiles, vielschichtiges Drama von einer Sprengkraft zu gestalten, die an Herz wie Geist rührt. "Reise zur Sonne" ist einer jener Filme, denen man ein entdeckungsfreudiges Publikum wünscht und jene Offenheit, für die der Film selber plädiert. Mehmed und Berzan zeigen uns schließlich, dass es einen Weg ohne Vorurteile gibt, und während der Reise in den auch landschaftlich eindrücklichen Osten der Türkei führt uns Ustaoglu vor, wie wenig es braucht, um einer anderen Zugehörigkeit zugeordnet zu werden. Ihr Film ist ein stiller Schrei nach einem friedlichen Zusammenleben.

© trigon-film

Xiao Bai Wu Jin Ji

Verborgenes Geflu¨ster

Die chinesische Regisseurin Vivian Chang richtet einen tiefsinnigen und hochsensiblen Blick auf die Schlüsselmomente im Leben einer Frau. Zuerst baut sich das kleine Mädchen eine Phantasiewelt auf, um das harte Familienleben im Alltag zu ertragen. Als Jugendliche entwickelt sie Fluchtmechanismen. Und als junge Frau füllt sie die Leere ihres Lebens mit zahlreichen Liebhabern. Nach und nach kommt ein Versönungsprozess in Gang. Es ist auch die Identitätssuche einer Gesellschaft, in der Männer feige sind, einen Hang zur Gewalttätigkeit haben und manchmal auch verträumt wirken. In ihrem ersten Spielfilm setzt Vivian Chang auf eine sehr persönliche Ästhetik. Mit Leichtigkeit wechselt sie von zunächst surrealistischen Einstellungen zu einem dynamischen und militanten Stil, um schließlich mit statischen, langsam montierten und fixen Bildern zu enden. Sie lässt uns auf diese Weise das heimliche Flüstern eines kleinen Mädchens und einer nach Reife suchenden Frau wahrnehmen. Ein sehr sinnlicher Blick aufs weibliche Leben.

© trigon-film

Kosh ba Kosh

Mira, eine junge Frau aus Russland, kommt nach Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan, um ihren Vater zu besuchen, einen Spieler, der oft verliert und schließlich sogar Mira an einen alten Mann verspielt. Doch Daler, ein junger Mitspieler, verliebt sich in Mira und entführt sie ganz einfach in seine ziemlich schräge Welt. Daler ist nämlich Chef der örtlichen, durch und durch vergammelten Luftseilbahn. Seine verblichen gelben Kabinen taugen für jede Fracht: Touristinnen und Touristen genauso wie für Heu, Bierkisten, Diebesgut und sogar als Liebeslaube für luftige Schäferstündchen.

Für Mira arrangiert Daler ein romantisches Picknick, schwebend zwischen Himmel und Erde. Und so beginnt auch schon die Liebesgeschichte von Mira und Daler. Wenn der Film eeeendet (nicht aber die Liebe), wird Mira eine fremde, manchmal auch exotische Welt kennengelernt haben. Sie wird einen Bürgerkrieg gesehen haben. Sie wird ihren Vater in den Tod begleitet haben und Daler auf dem Weg in ein neues Leben.

© trigon-film

Gánh Xiêc Rong

Der Wanderzirkus

Dieser eindrüiche Film lasse sich in punkto Form, Gefühlskraft und Menschlichkeit nur mit Fellinis "La strada" vergleichen, lobte ein bekannter Kritiker am Festival von Freiburg, Schweiz, wo Ngguyen Viet Linh 1992 einstimmig den Großen Preis zuerkannt erhielt. Und doch folgte die unvergessliche Geschichte der 40jährigen Vietnamesin jener großartigen Einfachheit, die heute nur noch orientalische oder fernöstliche Länder hervorbringen. Vom ersten Moment an packt die Intensität, mit der die Geschichte des Jungen Dat und seiner Schwester erzählt wird. Beide leben mit ihrem ewig betrunkenen Vater in einem kleinen Dorf in den Bergen. Eines Tages taucht ein Wanderzirkus auf. Dat freundet sich mit dem Mädchen vom Zirkus an; er hofft hinter den Trick zu kommen, mi dem die Gaukler aus einem leeren Korb plötzlich Reis für alle zaubern. Könnten Dat und seine Schwester, könnten all die hungernden Menschen fortan durch dieses unfassbare Wunder immer ausreichend zu essen haben? Dat wird bitter enttäuscht: alles war nur Schwindel und fauler Zauber.

Dieser höchst sensible und schnörkellose Film bewegt durch seine dichte Atmosphäre durch Schwarzweiß- Bilder von seltener Schönheit, beherrscht, trotz seines Realismus an der Grenze eines Traums, als Kritik an jenen, die andere mit Illusionen einlullen, und an einem Volk, das sich von falschen Versprechungen blenden lässt - nicht zuletzt auch von sogenannten Künstlern.

© trigon-film

Filmgespräch mit Kurt Hofmann

Geplant sind Reflexionen der gezeigten Filme mit dem Wiener Filmkritiker Kurt Hofmann.

Safar e Ghandehar

Die Reise nach Kandahar

Die junge Kanadierin Nafas (Niloufar Pazira) wurde in Kandahar geboren und flüchtete mit ihrer Familie als sie 16 war. Doch nun, einige Jahre später, muss sie sich wieder in ihre Heimat aufmachen, um ihre Schwester zu retten. Diese plant, sich bei der letzten Sonnenfinsternis des Jahrtausends (der Film spielt 1999) umzubringen. Aus diesem Grund wird Nafas als dritte Frau eines Bekannten vom Irak nach Afghanistan einreisen, denn nur so, und mit der lebenswichtigen UNO-Fahne, kann sie es schaffen. Als die Familie überfallen wird und in den Irak umkehrt, macht sich Nafas allein auf. Was sie auf sich allein gestellt noch alles bewerkstelligen kann, ist zugleich verblüffend und traurig.

Der Film beschreibt zum Teil das Leben der Hauptdarstellerin. Auch Niloufar Pazira ist aus Afghanistan nach Kanada geflüchtet, um ein Leben als moderne Frau leben zu können. Gerade dieser Umstand macht den Film so realistisch. Andererseits erscheint er als ein Panoptikum an Kuriositäten mit Dingen, die sich kein Europäer jemals so vorgestellt hätte. Bestes Beispiel dafür ist der Arztbesuch, bei dem ein kleiner Junge den Vermittler spielen muss, da der Arzt die Frau nicht direkt untersuchen darf. Aber auch der rege Handel mit Beinprothesen muss den Zuschauer einfach befremden.

‚Safar e Ghandehar’ is a partly documentary movie telling the journey of a woman throughout Afganistan trying to reach Kandahar where her sister, she still hopes, lives. She records anything she happens to listen so that you feel the horror and the difficulties of life in that country and everything through the main character's voice. In a way it sounds even more terrible. Every time she stops she finds a new guide (being a woman traveling across Afganistan is even more difficult)and this guide helps her to understand aspects of that reality: at the very beginning a man who accepts to declare she is one of his wives and then she knows the others; then a young boy, son of a widow, who has been thrown out of a Korean school; then a self made doctor coming from America, and so on. A spectacle even surreal someway and very impressive. Worth to see.

Fest für Freunde III

Mosa Sisic

Am Sonntag vormittag findet zum dritten Mal das Fest für Freunde, heuer in Form eines Frühschoppens, statt. Mosa Sisic wird für uns spielen und einige unserer ausländischen Freundinnen und Freunde werden uns mit Köstlichkeiten aus ihrer Heimat verwöhnen. Mit dem Fest für Freunde möchten wie Einheimischen und ausländische Mitbürgern die Gelegenheit geben, sich kennenzulerenen und in einem gemütlichen Rahmen miteinander ins Gespräch zu kommen. Wie mit den Filmen auch, wollen wir damit Interesse und Verständnis für die Situation und Kultur des jeweils Anderen wecken. Lassen sie sich überraschen, welche Vielfalt an Menschen und Kulturen es in Amstetten und Umgebbung gibt. Und selten ist es einfacher diese Vielfalt kennenzulernen als beim Fest für Freunde.

Hasen no malice

Bildersturm

Schnelle Finger an einem elektronischen Schnittplatz bereiten für die angriffslustige News-Sendung "Neun vor zehn" der privaten Fernsehstation die Bilder zu, damit die Sache zugespitzt wird, wie das die neue Medienwelt schätzt. Yoko Endo ist eine hochtalentierte Cutterin, die ihr Metier im Schlaf beherrscht und es immer mal wieder geschafft hat, In allerletzter Sekunde einen Beitrag bereit zu stellen und erst noch so, dass er ein großes Entlarvungspotential hatte. Auch jetzt überführt sie durch einen simplen Bildschnitt einen Familienvater nicht irgendeiner Unterstellung, nein: Er soll hinter einem Mord stecken. Ein Anflug von Lächeln in seinem Gesicht genügt. Satoshi Isaka hat sich bereits in seinem ersten Spielfilm "Focus" mit der Medienwelt auseinandergesetzt. Jetzt gestaltet er in Form eines Thrillers ein Stück Anschauungsunterricht, zeigt, was mit der Wahrheit geschehen kann, wenns eilt. Der Film bietet ein Lehrstück darüber, wie die Bilder und Montagen in der alltäglichen Fernseharbeit entstehen, was die Bedingungen sind, unter denen Fernsehen heute weltweit gemacht wird.

Die Medienlandschaft hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Standen früher seriöse Recherche und fundiertes Wissen im Vordergrund, nahm man sich Zeit, für einen Artikel oder eine Sendung sorgfältig zu recherchieren, so zählen heute zwei Dinge: Tempo und Unterhaltungswert. Die gedruckten Medien haben sich da den elektronischen angepasst, und nicht erst beim US-Wahlkampf hatte man das Gefühl, wer zuerst irgend etwas vermeldet fühle sich besser, als wer die Nachricht zuerst prüft.

Der japanische Filmemacher Satoshi Isaka weiß da sehr genau, wovon seine Geschichten handeln. Bereits mit "Focus" hatte er 1997 Aufsehen erregt, mit "The Frame" doppelt er nun nach. In einer spannenden Geschichte mitten aus dem Fernsehalltag verarbeitet er seine eigenen Erfahrungen. Er hat erlebt, wie sehr Zuspitzungen gefragt sind, in denen die wirklichen Ereignisse oder das Wesen eines Menschen in den Hintergrund zu rücken hat, um dem Unterhaltungswert, der Zuspitzing Platz zu machen. Auch er musste Beiträge auf Teufel komm raus fertig stellen, bevor sie erarbeitet waren, weil sein Fernsehsender schneller sein wollte als alle anderen.

Diese Medienwelt ist nun der Hintergrund eines Krimis geworden, in dessen Verlauf eine an sich hochtalentierte Fernsehfrau in den Sog einer eigenen Monatgegeschichte gerät und bald nicht mehr weiß, was jetzt wahr ist und wo sie in der Geschichte steht. Satoshi Isaka spitzt schonungslos zu, was man in der einen oder anderen Form auf Redaktionen täglich erleben kann. Und er zeigt nicht zuletzt auf, wie leicht sich Medien instrumentalisieren lassen. Man braucht ihnen nur einen Köder hinzuhalten, der einen Primeur verspricht, eine Nachricht, die sie als erste bringen können, gewürzt mit eine Prise Skandalträchtigkeit. Er zeigt aber noch etwas Wesentliches: Hinter allen Medien-Geschichten stehen auch Menschen. Und die sind an sich genauso verletzlich.

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Meili xin shije

Schöne, neue Welt

Ungewohnt lockeres Kino aus China, eine erfrischende Komödie aus Schanghai. In Form einer einfachen Ballade, ironisch erzählt, lehnt sich der Film an den Suzhou-Stil der traditionell gesungenen chinesischen Epen an. Baogen ist ein Mann vom Land mit bewährten Moralvorstellungen, der hart arbeitet, um sich ein neues städtisches Leben aufzubauen und um das Herz seiner scharfzüngigen Tante zu gewinnen. Eine wunderbare neue Welt wirft einen aufschlussreichen Blick auf das zeitgenössische, sich verändernde China und auf den Gegensatz und die Konfrontation von Materialismus, Kapitalismus, traditionellen Werten und menschlichem Begehren.

Shi Run Jiu, ein 29jähriger Regisseur und Drehbuchautor, bringt mit seinem ersten Langspielfilm frischen Wind in den chinesischen Film. Er bringt uns zum Lachen und zwingt uns zugleich nachzudenken. Der ehrliche Bauer Baogen, der in die große Stadt kommt, um hier einen Preis abzuholen, den er in der Lotterie gewonnen hat, kommt ganz schön auf die Welt, denn die gewonnene Wohnung ist noch nicht einmal gebaut. Anstatt reich und berühmt zu werden, sieht er sich mit der simplen Realität konfrontiert. Er sucht bei seiner entfernten Verwandten Jinfang Unterschlupf und bringt deren Leben ganz schön durcheinander.

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Subarnarekha

Der Fluss Subarnarekha

Die Teilung Bengalesns im Jahr 1948 bildet den Hintergrund des Films "Subarnarekha" von Ritwik Ghatak. Millionen von Menschen haben damals durch die Flucht ihren Halt verloren, Familien sind auseinander gebrochen, der Verzweiflung der Erwachsenen steht die von Schuld und Korruption noch unversehrte Sehnsucht der Kinder gegenüber. Dem Filmemacher Ghatak gelingt es, seinen dichterischen Visonen eine universelle Dimension zu geben: Die Vertriebene verschmelzen mit all jenen Flüchtlingen, die damals und heute vor dem Leben zurückwichen. Gleichzeitig erinnern Tagores Lieder daran, den Glauben an den Menschen nie zu verlieren. Während 1965 die Jugend den Film förmlich verschlang, ließ die Filmindustrie Ghatak fallen; er konnte elf Jahre keinen Film mehr drehen.

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