Das Der Verein SüdFILMfest 2004
Filmbeschreibungen


Eröffnung

  • 19:30 Eröffnung und Einführung durch den Obmann des Vereins SüdFILMfest Gerhard Steinkellner.
  • 19:45 Eröffnung des Festes durch die Kulturstadträtin und Abgeordnete zum Nationalrat Frau Ulrike Königsberger-Ludwig.
  • 20:00 Jerson Jiménez stellt seine Bilder vor
  • 20:30 Lateinamerikanisches Büfett
  • 21:30 Frau Maga. Renate Wurm (Das Kino, Salzburg) gibt eine kurze Einführung über das lateinamerikanische Filmgeschehen.
  • 21:45 Bei Einbruch der Dunkelheit wird im Schlosshof der Eröffnungsfilm «El hijo de la novia» aus Argentinien open air vorgeführt.


El hijo de la novia (Der Sohn der Braut)
Land: Argentinien
Jahr: 2001
Regie: Juan José Campanella
Drehbuch: Fernando Castes, Juan José Campanella
Kamera: Daniel Shulman
Montage: Camilo Antolini
Ton: José Luis Diaz Ouzande
Musik: Angel Illaramendi
Ausstattung: Mercedes Alfonsin
Kostüme: Cecilia Monti
Produktion: Polka, Patagonik, Jempsa, Tornasol
Länge: 123 Minuten
Originalsprache: Spanisch
Untertitel: d
Auszeichnungen:
Darsteller: Ricardo Darín (Rafael)
  Héctor Alterio (Nino)
  Norma Alenandro (Norma)
  Eduardo Blanco (Juan Carlos)
  Natalie Verbeke (Naty)
  Gimena Nóbile (Vicky)
  Claudia Fontán

El hijo de la novia

(Der Sohn der Braut)

Für Rafael Belvedere fließt das Leben irgendwie dahin. Obwohl ihm etwas Jungenhaftes, Schelmisches anhaftet, findet er keine wirkliche Beziehung zu den Dingen und Menschen um sich herum. Am liebsten zappt er sich durchs Fernsehprogramm und will eigentlich nur die Folgen seiner alten Lieblingssendung aus Kinderzeiten sehen: ZORRO.

Mit seinen 42 Jahren sieht er seinem Helden allerdings gar nicht ähnlich. Die Zeiten, in denen er sich mit schwarzem Umhang und Maske als Diego de la Vega fühlte, sind lange vorbei. Wofür er heute kämpft, hat nichts Heldenhaftes: Das italienische Restaurant, das er von seinem Vater Nino samt Inventar und Personal übernommen hat, macht permanent Schwierigkeiten. Seine Ehe ist gescheitert, für seine Tochter Vicky findet er viel zu wenig Zeit. Er hat wenig Freunde und seine jugendliche Freundin hält er emotional auf Distanz. Meistens ereilt ihn ein dringendes Telefonat aus dem Restaurant, wenn Naty ihn für sich haben möchte.

Nur mit seinem Vater Nino verbindet ihn eine starke Beziehung. Nino Belvedere erinnert sich gerne an die alten Zeiten und ist voll zärtlicher Liebe für seine Frau Norma, die an Alzheimer leidet und in einem Pflegeheim lebt. Rafael jedoch hat die Besuche bei der Mutter auf ein Minimum reduziert. Ihre Enttäuschung darüber, dass er sein Studium abgebrochen hat, kann er nicht überwinden. Für seinen Vater aber ist Norma immer noch der Engel, der sein Leben in ein Paradies verwandelte, und ihr möchte er zum Geburtstag den einzigen unerfüllten Wunsch verwirklichen, dem er sich immer verweigert hat: Sie kirchlich zu heiraten. Rafael hält das für keine gute Idee.

Erst ein Herzinfarkt, mehrere Tage auf der Intensivstation und das unverhoffte Wiedersehen mit seinem Jugendfreund Juan Carlos, einem erfolglosen Schauspieler, der sich mit Statistenrollen begnügen muss, begreift Rafael, dass er sein Leben in die Hand nehmen und Entscheidungen fällen muss. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass es ohne Liebe, Familie und Freunde nicht geht, dass Naty die Frau seines Lebens und sein Vater kein senil romantischer Greis ist.

Nicht nur für Norma wird die Hochzeit der schönste Tag im Leben ...

Juan José Campanella ist eine wunderbare, oft turbulente Komödie gelungen, deren leise melancholische Zwischentöne uns vom Lachen zu Tränen der Rührung führen und auch uns bewusst machen, dass wir nur einmal leben. Dafür gab es 2002 eine Oscar-Nominierung.

© Movienet Film GesMBH




>Domésticas, o filme (Domésticas)
Land: Brasilien
Jahr: 2001
Regie: Fernando Meirelles
Drehbuch: Renata Melo
Kamera: Lauro Escorel
Montage: Deo Teixeira
Ton: Guilherme Ayrosa, Miriam Biderman
Musik: Andre Abujamra
Ausstattung: Frederico Pinto
Kostüme: Cristina Camargo
Produktion: O2 filmes, São Paulo, Brasil
Länge: 90 Minuten
Originalsprache: Brasilianisch
Untertitel: d/f
Darsteller: Flor Sabatella (Valeri)
  Daniel Freire (Christus)
  Walter Balsarini (Concierge)
  Enrique Blugerman (Maletero)
  José Maria Guiterrez
  Maria Conception Cesar
  Lorenzo Quinteros

Domésticas, o filme

(Domésticas)

In Brasilien gibt es so etwas wie ein unsichtbares zweites Land, jenes der Domésticas, der Hausangestellten. Sie heißen Cida, Roxanna, Quitéria oder Raimunda und sind tagaus tagein damit beschäftigt, anderen den Haushalt zu besorgen und das Haus sauber zu halten. Alle träumen sie von einer glücklichen Heirat, einem besseren Mann oder einer Karriere als Mannequin. Domésticas ist nun nicht etwa ein dokumentarischer Report über Hausangestellte, es ist vielmehr ein schmissiger Spielfilm voller Witz und Humor, der für einmal ganz einfach Menschen hinter den Kulissen einer lateinamerikanischen Großstadt zu Hauptfiguren macht. Es ist eine Komödie mit hervorragenden Schauspielerinnen, die so echt wirken, dass man mitunter das Gefühl bekommt, sie alle seien längst wieder in den Küchen am Putzen. Es ist auch ein Film voll kleiner Hoffnungen aus dem Alltag.

Domésticas ist zunächst ein starkes Stück lateinamerikanischer Realität. Wer je auf dem Kontinent unterwegs war und dabei privat unterkam, der kennt sie, die Hausangestellten, die mit unterschiedlichem Geschick den Haushalt besorgen und häufig auf eine durchaus liebevolle Art fester Bestandteil einer Familie sind. Sie stammen aus den unteren gesellschaftlichen Schichten und haben meist mehr Kinder zu ernähren als die Leute, die ihnen Arbeit geben. Sie mögen nicht immer mit größtem Geschick ans Werk gehen, aber es wird ihnen vieles verziehen.

Die brasilianische Autorin Renata Melo hat sich intensiv mit den Domésticas auseinandergesetzt und basierend auf ihren Recherchen ein Theaterstück geschrieben, das einen immensen Erfolg verzeichnete. Im Frühjahr 2001 folgte das Kino, und auch hier schafft es Melo, das Leben hinter den Kulissen auf amüsante und dennoch vielschichtige Art zu beschreiben. Während die Arbeit Gebenden gar nicht sichtbar werden, sind wir ganz auf der Seite der Hausangestellten. Ihr Lebensrhythmus prägt den Film. Ihre Statements, in denen einzelne immer mal wieder aus der Spielhandlung heraustreten, über Gott und die Welt nachdenken und von ihren Träumen reden, kommentieren das Geschehen.

Erfrischend, wie das erfahrene Regiepaar Fernando Meirelles und Nando Olival zwischen so unterschiedlichen Formen wie dem sachlichen Statement und der aktionsreichen Handlung switcht. Hier ein spielfilmmäßig inszenierter Überfall im Linienbus mit den Hausangestellten, bei denen es wenig zu holen gibt, da die Betrachtung, die wie aus einer sorgsam fotografierten Studie wirken, dann die Musik, die immer wieder rhythmische Akzente setzt und Domésticas zu einem bewegten Erlebnis macht. Ganz nebenbei erfahren wir viel über das Leben in und hinter den Kulissen einer lateinamerikanischen Großstadt. Es ist São Paulo in diesem Fall, doch es könnte auch Lima, Mexico City oder Buenos Aires sein. Warum? Weil dieser Film über die Stadt hinaus von grundlegenden Freuden und Ängsten spricht, von Hoffnungen auch und universellen Gefühlen. Auf alle Fälle schließen wir sie unverzüglich ins Herz, Cida, Roxanna, Quitéria, Raimunda, Creo und die anderen. Eine von ihnen wird von der Autorin Renata Melo selber gespielt. Der Film überzeugt, weil er bei allem Unterhaltungswert ein hohes Maß an Authentizität behält.

© Walter Ruggle, trigon-film

Hier gibt es noch weitere Hintergrundinformationen zum Film Domésticas.




Soy Cuba (Ich bin Kuba)
Land: Kuba
Jahr: 1964
Regie: Mikhail Kalatozov
Drehbuch: Enrique Pineda Barnet, Yevgeny Yetushenko
Kamera: Sergei Urusevsky
Montage: N. Glagoleva
Ton: V. Sharun
Musik: Carlos Farinas
Produktion: Produktion  ICAIC, Mosfilm
Format: 35 mm
Länge: 141 Minuten
Originalsprache: Spanisch
Untertitel: d/f

Soy Cuba

(Ich bin Cuba)

In vier Episoden sang der legendäre russische Regisseur Mikhail Kalatozov, der mit «Wenn die Kraniche ziehen» Filmgeschichte schrieb, 1964 eine Hymne auf die kubanische Revolution. Während in den ersten beiden Episoden die soziale Ungerechtigkeit und die Schlechtigkeit der dafür verantwortlichen Yankees angeprangert werden, feiern die andern beiden Teile werden Heroismus und die Opferbereitschaft der Revolutionäre. Ästhetisch steht der Film ganz in der Tradition des großen sowjetischen Revolutionskinos eines Eisenstein oder Pudowkin.

Kuba ist immer Mal wieder im Gespräch, sei's wegen der fragwürdigen Politik seines Präsidenten oder der Menschenrechte spottenden Gefangenenhaltung der USA in Guantanamo. Dieser kaum bekannte Klassiker lässt uns eine Epoche betrachten, in der von Idealen die Rede war, er tut dies in Montage und visuell betonter Filmsprache, den klassischen Mitteln der sowjetischen Filmkunst. Der sowjetrussische Regisseur Mikhail Kalatozov arbeitete mit einer äußerst kreativen Kamera im fernen Kuba, das schon von Kolumbus entdeckt und als schönste Insel bezeichnet worden war. Er spricht zu den Zuschauenden, erzählt von seinem Zucker, seinen Menschen, seiner Geschichte und von Havanna, das bereits vor 1959 eine moderne Großstadt war.

Besoffene US-Marines grölen «USA-the most glorious country in the world» und belästigen eine junge Frau. Ein junger Kubaner kommt ihr selbstlos zur Hilfe. Studenten dementieren die Falschmeldung, Fidel Castro sei gefallen. Und auch der einfache Bauer hat begriffen, um was es geht und dass die Barbudos um Fidel und Ché um eine gerechte Sache kämpfen. Er schließt sich den Rebellen an und sagt zu jenem, den er verköstigte, «jetzt brauche ich ein Gewehr!» Sie stoßen auf Radio Rebelde, dem Sender der Revolutionäre in der Sierra Maestra im Osten Kubas, der die Ziele der Revolution erläutert: volle Unabhängigkeit von den USA und Souverinät des Landes. «¡Libertad o muerte!» Der Rest ist Geschichte. Der legendäre Klassiker entstand 1964, also nach der gescheiterten Invasion von US-Exilkubanern in der Schweinebucht, als Kuba sich erst für den sozialistischen Weg entschieden hat. Die restaurierte Kopie lässt den filmhistorischen Meilenstein in altem Glanz erstrahlen und die heißen Rhythmen der damaligen Zeit. Eine Trouvaille!

© trigon-film

Dieser Film ist zumindest aus künstlerischer Sicht betrachtet das Juwel des SüdFILMfestes 2004. Er ist so vielschichtig, kontroversiell und herausfordernd, dass bei vielen Zusehern sicher der Wunsch nach einer Reflexion oder doch zumindest nach Erläuterungen aufkommen wird. Frau Maga. Renate Wurm von "Das Kino", Salzburg ist eine profunde Kennerin Lateinamerikas und wird diese Diskussion moderieren.

Zur Einstimmung auf Film und Diskussion finden Sie hier weitere Informationen zum Film Soy Cuba.




Historias Minimas(Kleine Geschichten)
Land: Argentinien
Jahr: 2002
Regie: Carlos Sorin
Drehbuch: Pablo Solarz
Kamera: Hugo Colace
Montage: Mohamed Rajid
Ton: Abbatte & Diaz
Musik: Nicolás Sorin
Ausstattung: Margarita Jusid
Produktion: Guacamole Films, Buenos Aires; Wanda Vision, Madrid
Länge: 96 Minuten
Originalsprache: Spanisch
Untertitel: d/f
Auszeichnungen: San Sebastian, Spezialpreis der Jury und Special Mention Internationale Filmkritik Havanna, Grosser Coral und Martin Luther King Memorial Center Award Cartagena, Spezialpreis der Jury Uruguay Filmfestival, Bester Film Internationales Filmfestival Fribourg 2003, Grand prix du Festival
Darsteller: Javier Lombardo (Roberto)
  Antonio Benedictis (Don Justo)
  Javiera Bravo (Maria Flores)
  Carlos Montero (Losa)
  Anibal Maldonado (Fermin)

Historias Minimas

(Kleine Geschichten)

Tausende Meilen südlich von Buenos Aires sind drei Menschen auf den einsamen Landstrassen Patagoniens unterwegs. Don Justo, der ehemalige Besitzer eines Gemischtwarenladens, bricht auf, seinen Hund zu suchen, den jemand in San Julian gesehen haben will. Es stellt sich heraus, dass es für Don Justo zwar wichtig ist, den Hund zu finden, aber noch sehr viel wichtiger, vor seinem Tod den Frieden der Seele wieder zu gewinnen. Der Handelsreisende Roberto ist auf derselben Straße in seinem alten Auto unterwegs und hat eine empfindlichen Fracht dabei: Eine Cremetorte, extra bestellt für den Geburtstag des Sohnes der jungen Witwe eines ehemaligen Kunden. Zur selben Zeit und auf derselben Straße reist Maria Flores mit ihrem Baby im Bus, um in einer Fernsehshow eine Universalküchenmaschine zu gewinnen. Obwohl sie nicht genau weiß, was das eigentlich ist, denn sie lebt auf Pump und kann sich noch nicht einmal Essen leisten, entscheidet sich Maria zur Reise in die aufregende Welt des Fernsehens.

Es gibt sie immer mal wieder, jene Filme, die ohne viel Aufhebens daherkommen und einen gerade dadurch beglücken, dass sie keine Geschichte aufdonnern, dass sie das Leise neben den vermeintlich großen Dingen aufzeichnen. «Straight Story» von David Lynch war ein solches Beispiel, Robert Altman hat das kaleidoskopartige im Kino zur Meisterschaft entwickelt, in «TGV» des Senegalesen Moussa Touré finden sich Menschen in einem Bus zusammen, in «Sleeping Man» betrachtet der Kohei Oguri ein japanisches Dorf um einen Bewusstlosen. Nun, im Film «Historias minimas», lässt Carlos Sorin drei Figuren im tiefsten Patagonien durch die phänomenale Landschaft reisen.

Sie alle sind an sich alleine unterwegs, aber Lebensfäden, ihre Träume und Geschichten, berühren sich da und dort beinahe. Es ist wunderbar, wie sanft Sorin diese Fäden von den ganz gewöhnlichen Menschen spinnt, wie er uns vom ersten Moment an in eine Stimmung stillen Betrachtens versetzt, wie wir Freude entwickeln am Charme und am Humor des Alltags. Sie sind es, die die Handlung vorantreiben, sie sind es, die auch unser Leben bestimmen und prägen. Das Laute ist nicht das Bleibende.

Mit zu den Qualitäten gehört die Konzeption der Figuren. Es sind drei Generationen, die unterwegs sind, es sind unterschiedliche gesellschaftliche Schichten, die sich mit ihnen öffnen, verschiedene Lebensformen: Der Gemischtwarenhändler war einst sesshaft an der Straße, an der der Handelsreisende vorüberzog. Dieser ist immer unterwegs und hat seine Bekanntschaften mit Leuten, die das auch sind. Die junge Mutter aus armen Verhältnissen hat kaum eine eigene Bleibe, aber sie hat ihre Träume wie wir alle.

© Walter Ruggle, trigon-film

Aus der Presse: «Ein feines kleines filmisches Kunstwerk, atmosphärisch wie erzählerisch dicht.»

Geri Krebs, Neue Zürcher Zeitung


Hier finden Sie noch Auszüge aus der Filmbeschreibung zu Historias Minimas aus dem trigon-film Magazin Nummer 21.




>Una casa con vista al mar (Ein Haus mit Meersicht)
Land: Venezuela
Jahr: 2001
Regie: Alberto Arvelo
Drehbuch: Alberto Arvelo
Vorlage:
Kamera: Cezary Jaworsky
Montage: José Ares
Ton: Stefano Gramitto Ricci
Musik: Nascuy Linares
Ausstattung: Solange Arvelo/Glenda Mendoza
Produktion: Pedro Mezquita
Länge: 93 Minuten
Originalsprache: Spanisch
Untertitel: d/f
Auszeichnungen: Glauber Rocha Award, La Habana; Prix du public, Fribourg; Prix du public, Huelva 
Darsteller: Imanol Arias (Tomas Alonso)
  Gabriel Arcand (Fotografo)
  Leandro Arvelo (Santiago Alonso)
  Manuel Aguirre (Belén)
  Alejo Felipe

Una casa con vista al mar

(Ein Haus mit Meersicht)

In den Anden Venezuelas, die Träume von Tomas Alonso, einem verwitweten Bauern, und seinem Sohn Santiago, ihr ruhiges Verhältnis und ihr Wunsch, eines Tages den fernen Ozean zu sehen. Draußen herrscht die Grausamkeit des Nachbarn und Don Homeros, der Besitzers des Bodens, auf dem Tomas arbeitet. Bis eine verzweifelte Gewalttat Vater und Sohn trennt. Es braucht die mutige Einmischung eines ausländischen Journalisten, um ihre Träume wieder zu vereinen.

«Una Casa con vista al mar» erforscht die Lebensweise und die Traditionen der andinischen Bevölkerung. Aus der Verzweiflung, ausgebeutet zu werden, kann Gewalt entstehen. Wenngleich Tomas ein einfacher Mann ist, der seinen Boden und die kleinen Ereignisse liebt, kann es auch vorkommen, dass er einmal bis zum Ende seines Stolzes geht. Nur sein Schicksal erlaubt es ihm nicht, zwischen Mord und Feigheit zu wählen. Stolz und Mut, Einsamkeit und Ruhe sind die Themen dieses Films. Die Geschichte ist so einfach wie das Leben von Tomas, die Umsetzung nüchtern und sensibel. Worte sind selten, doch das Nichtgesagte und die Blicke intensiv. Die Gesichter erzählen mehr als sie sagen und die sparsamen Bewegungen zielen aufs Wesentliche. Jenseits des Dramas geben der Traum nach einem mythischen Ozean, das Foto, das das Bild der geliebten Menschen rettet, dem Film eine poetische Dimension.

© Walter Ruggle, trigon-film




Das Fest für Freunde V

Begegnungen mit unseren ausländischen Freunden

Das Fest für Freunde will die Möglichkeit bieten, andere Kulturen, diesmal Lateinamerika vor allem musikalisch und auch kulinarisch kennen zu lernen. Dieses Fest hat im Rahmen des SüdFILMfestes bereits Tradition und es zeigt sich immer wieder, dass das Kino eine ausgezeichnete Einstimmung auf das Feiern mit unseren Freunden aus jenen Ländern sind deren Filme uns begeistern.

Es spielt LATIN MUSIC mit

Gina Duenas (Cuba): voc.
Georg Edlinger: perc. congas, cajon, bongos, bell, clave
Adi Nimmerfall: flutes, guit., voc.
Zoltan Pito: guit., voc.
Bernhard Streisselberger: perc., clave, bell, maracas, udu.
Josef Wagner: bass



>Real Women have Curves (Echte Frauen haben Kurven)
Land: USA
Jahr: 2002
Regie: Paticia Cardoso
Drehbuch: George LaVoo, Josefina Lopez
Vorlage:
Kamera: Jim Denault
Montage: Sloane Klevin
Musik: Emma Garcia de Mantilla, Heitor Pereira
Produktion: Effie Brown, Georg LaVoo
Länge: 90 Minuten
Originalsprache: Englisch/Spanisch
Untertitel: d
Darsteller: America Ferrera (Ana)
  Lupe Ontiveros (Carmen)
  Ingrid Oliu (Estela)
  George Lopez (Mr. Guzman)
  Brian Sites (Jimmy)
  Soledad St. Hilaire (Pancha)
  Lourdes Perez (Rosali)
  Jorge Cervera Jr. (Raul)
  Felipe De Alba (Großvater)

Real Women have Curves

(Echte Frauen haben Kurven)

Ana hat soeben ihren High-School-Zeugnis erhalten. Eigentlich ist sie zu Höherem bestimmt, denn dieses ist exzellent ausgefallen. Auch ihr Lehrer Mr. Guzman ist dieser Ansicht. Er drängt Ana richtiggehend, dass sie etwas aus ihrem Talent macht und das College in Angriff nimmt. Doch Ana hat ein Problem. Als jüngste Tochter einer in ärmlichen Verhältnissen lebenden mexikanischen Einwandererfamilie ist ein Studium für sie - so gerne sie es auch möchte - von vorneherein ausgeschlossen. Doch Mr. Guzman lässt nicht locker. Er schafft es tatsächlich, dass die Columbia State University Ana ein volles Stipendium gewährt. An sich sollte alles in trockenen Tüchern und jeder glücklich sein, wäre da nicht Anas beinahe schon tyrannische Mutter Carmen. Diese hat für Anas Zukunft einfach andere Pläne.

Eine mexikanische Frau studiert nicht. Eine mexikanische Frau lernt zu kochen, sieht gut aus, sucht sich einen Ehemann und gründet eine Familie. Carmens Ansichten als erzkonservativ zu beschreiben, wäre stark untertrieben. Auf die Wünsche und Gefühle ihrer Tochter legt sie dabei keinen Wert. Alles nur jugendliche Träumereien, die vergehen. Doch Carmens Zukunftspläne für Ana haben einen Haken. Ana ist nicht die hübsche Mexikanerin, die den Männern der Kopf verdreht. Nein, Ana ist eigentlich ziemlich fettleibig und unattraktiv. Auf ihr äußeres Erscheinungsbild legt sie keinen Wert. Doch sie fühlt sich wohl. Das ist alles, was für sie zählt. Sich für jemanden abquälen, damit dieser sie attraktiver findet, kommt für sie nicht in Frage. Entweder man akzeptiert sie so wie sie ist oder eben nicht. Eine Einstellung, die Carmen zur Weisglut bringt. Um Ana auf den rechten Weg zu bringen, zwingt Carmen sie, in der Näherei ihrer Schwester Estela zu arbeiten. Sie soll das Nähhandwerk lernen und dabei helfen, teure Kleider zu einem Hungerlohn anzufertigen. Sie soll endlich lernen, was es bedeutet zu arbeiten.

Das zentrale Thema von «Echte Frauen haben Kurven» ist der Konflikt zwischen Tradition und Moderne. Wie weltoffen muss eine Einwandererfamilie sein und bis zu welchem Grad muss sie ihre Wurzeln erhalten? Elementare Fragen, die sich bei diesem Film geradezu aufdrängen. Regisseurin Patricia Cardoso nimmt sich viel Zeit für die Einführung der Charaktere. Im Mittelpunkt steht ganz eindeutig die Beziehung zwischen Ana und ihrer Mutter. Und dies ist auch die große Stärke des Films. Die Chemie zwischen America Ferrera und Lupe Ontiveros ist famos. Das Spiel der beiden Lateinamerikanerin mit den unverbrauchten Gesichtern ist dermaßen herzerfrischend, dass dadurch der Film quasi im Alleingang getragen wird.

Mehr zum Film Real Women have Curves.




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