Der Verein SüdFILMfest
Filme aus den EU-Beitrittsländern


Eine Veranstaltung im Rahmen der ArsFemina


Auf dem Streifzug des SüdFILMfestes durch die filmische Kulturlandschaft der «neuen» Nachbarländer ist nach Ungarn nun die Slowakei an der Reihe. Der Film ist schon relativ alt, das Thema jedoch ist so aktuell wie je zuvor. In der Slowakei ein äußerst ernstzunehmendes Problem, in Österreich zehn Jahre nach Oberwart noch immer ein brennheißes Thema das vom Regisseur Dušan Hanák in einfühlsamer Weise dort aufgegriffen wird wo es am Wesentlichsten ist: bei den betroffenen Menschen.

Der Verein SüdFILMfest freut sich besonders, den Regisseur Dušan Hanák in Amstetten begrüßen zu dürfen. Als spannend könnte sich erweisen zu ergründen was sich nach gut vierzig Jahren und wesentlichen Änderungen in der politischen Landschaft (nicht nur in der Slowakei) wirklich geändert hat.

Eine Veranstaltung im Rahmen der ArsFemina

Dieser Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe «ars FEMINA» des Kulturamtes der Stadtgemeinde Amstetten statt. Der Eintritt beträgt € 6,- für Erwachsene und € 3,- für Schüler, Lehrlinge und Studenten. Informationen zu allen Veranstaltungen dieser Reihe erhalten Sie im Kultur- und Tourismusbüro im Rathaushof und auf der Homepage der Stadtgemeinde Amstetten.



Ruzové sny (Pink Dreams, Rosarote Träume)
Land: CSSR
Jahr: 1976
Regie: Dušan Hanák
Drehbuch: Dušan Dusek, Dušan Hanák
Kamera: Jozef Dodo Simoncic
Produktion: Ivan Kot
Länge: 80 Minuten
Originalsprache: Tschechisch/Slowakisch
Untertitel: Englisch
Auszeichnungen: Besondere Anerkennung der Jury des 6. IFF in Teheran
Darsteller: Juraj Nvota (Jakub)
  Iva Bittová (Jolanka)
  Josef Hlinomaz (Anton)
  Marie Motlová (Muckova)

Ruzové sny (Pink Dreams, Rosarote Träume)

(Slowakei, 1976, Slowakisch, englische Untertitel)

Freitag, 4. März, 19:30, Jugendzentrum Atoll, Amstetten
Freitag, 11. März, 19:30, Rathaussaal Amstetten, in Anwesenheit des Regisseurs mit Gelegenheit zur Diskussion

Die Liebe zwischen einem jungen Postbeamten und einem schönen Roma-Mädchen schafft eine Spannungen, die der junge Mann zunächst nicht wahrhaben will. Auf heiter ironische Weise schildert Dušan Hanák mit großem Einfühlungsvermögen eine fragile Beziehung unterschiedlicher Mentalitäten in poetischen Bildern, die die Realität nie aus den Augen lassen. Nebenbei liefert der Film reizvolle einblicke in das Lokalkolorit eines slowakischen Dorfes.

Schräge Poesie infiltriert die Realität einer ausgewachsenen Liebesgeschichte zwischen einem Postangestellten und einem Roma (Zigeuner-) Mädchen in einem kleinen slowakischen Ort. Natürlich könnte man es auch anders herum sehen: Schräge Wirklichkeit infiltriert die die Poesie einer Liebesbeziehung denn die Realität in der Stadt steht in scharfem Kontrast zu der idealisierten Vorstellung ihrer Beziehung von der sie im heimatlichen Dorf trämten. Es ist die Unerschrockenheit des Regisseurs, welche den Film zu seiner Größe verhilft: da ergreifen doch wirklich zwei romantisch veranlagte Teenies die Gelegenheit gemeinsam zu leben und so mondäne Probleme wie eine Arbeit oder einen Platz zum Wohnen zu finden zu teilen, um dann doch herauszufinden dass ihre Beziehung den Belastungen des Alltags nicht gewachsen ist. Dieser warmherzige, bezaubernde Film hat zwar gegen das Ende hin ein paar tragische Untertöne, doch die beiden Helden des Films meistern die Situation im Großen und Ganzen doch recht gut. Der Film porträtiert außerordentlich realistisch die unterschiedlichen Lebensweisen von Zigeunern und Gadje welche zu Problemen führen, für die keine einfache Lösung zu existieren scheint. Zusammenfassend ist «Ruzové sny» ein filmisches Juwel, welcher vielfach unterbewertet mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.




Ein lyrischer, poetischer Film über die Liebe zwischen zwei Jugendlichen, einem «Gadje» (Nicht-Roma) und einem hübschen Roma-Mädchen, die wegen der Vorurteile in der slowakischen, lädlichen Gesellschaft zum Scheitern verurteilt ist.

Dieser lyrische Film war in der Tschechoslowakei ein großer Erfolg (auch heute leben in der Slowakei noch eine halbe Million Roma). Der Regisseur verbrachte selbst einige Zeit in verschieden Romaniederlassungen und ließ sich von Menschen und Episoden aus dem wirklichen Leben inspirieren. Die einfache, nach uralten Mustern gestrickte Geschichte konzentriert sich auf die beiden Hauptdarsteller Jakub und Jolanke und versucht die Gefühle die sie füreinander entwickeln, nachzuvollziehen. Denn auch wenn die Beziehung zwischen einem Gadje und einer Zigeunerin eine romantisch-populäre Geschichte abgeben mag, so zeigt sich in der Wirklichkeit dass so eine Beziehung von massiven Vorurteilen überschattet wird und in der Gesellschaft nicht akzeptiert wird.

© International Filmfestival Rotterdam




Dušan Hanák

Dušan Hanák wurde 1938 in Bratislava geboren. Zu seinem Filmschaffen gehören «322» (1969), «Obrazy stareho sveta» (Pictures of the Old World/Bilder einer alten Welt, 1972), «Ruzové sny» (Pink Dreams/Rosarote Träume, 1976), «Ja milujem, ty milujes» (I Love, You Love/Ich liebe, du liebst, 1980), «Ticha radost» (Silent Joy/Stille Freude, 1985) und «Papierove Hlavy» (Paper Heads/Papierköpfe, 1995). Seit 1990 war sein Werk Gegenstand mehrerer Retrospektiven und gewann viele Preise insbesondere 1989 den »Los Angeles Association of Cinema Critics award for Best Documentary» für den Film «The Pictures of the Old World».

Foto: Pavel Kastl

Dušan Hanák: Filmregisseur zu sein ist ein riskanter Job

© Übertragen nach einem Artikel von Zuzana Habšudová and Beata Balogová aus dem «The Slovak Spectator» vom 16. Feb. 2004

Einer der renomiertesten slowakischen Filmregisseure, wurde vor kurzem für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Dušan Hanák begann Filme zu drehen kurz nachdem die Sowjetunion die Tschechoslowakei im August 1968 besetzten. Die meisten davon wurden bereits gleich nach ihrer Fertigstellung mit einem Aufführungsverbot belegt. Nach dem Fall der kommunistischen Regierung im Jahre 1989 gewannen sie jedoch zahlreiche Auszeichnungen und Preise bei verschiedenen internationalen Festivals.

Zu Beginn des Jahres 2004 wurde Hanák mit der höchsten Auszeichnung der Slowakischen Republik, dem «Pribina Kreuz erster Klasse» geehrt. Der Präsident Rudolf Schuster lobte den promminenten Filmemacher für seinen Beitrag zur kulturellen Entwicklung des Landes.

Dušan Hanák ist einer der herausragendsten Persönlichkeiten der slowakischen Filmgeschichte. Seine Ausbildung zum Regisseur erhielt er am FAMU in Prag die er 1960 beendete. Seit 1960 arbeitete er für die «Short Film Studios» in Bratislava wo er die Filme «Analogies» (1966), «A Call through Silence» (1965), «Methamorphoses» (TV, 1967) und «Mass» (1967) produzierte. Als Drehbuchauthor kooperierte er mit V. Kubenka in dessen Dokumentarfilmen «Comeback to Happiness» (1969) und mit P. Mihálik's »Lili Marlen» (1970). Sein erster Spielfilm war «322» (1069). Nach der Uraufführung wurde dieser Film, ebenso wie einige andere von Hanák's Filmen auch wie beispielsweise «Obrazy stareho sveta» (Bilder einer alten Welt, 1972) und «Ja milujem, ty milujes» (Ich liebe, du liebst, 1980) verboten da sie als idiologisch nicht akzeptabel eingestuft wurden. Erst 1988 gelang ihnen der Sprung in die Öffentlichkeit. 1972 produzierte Hanák, inspirierten von den Fotografien von M. Martincek, den Film «Pictures of the Old World» In den Filmen «Pink Dreams» und « I love, You love» kooperierte er mit dem Drehbuchauthor Dušan Dusek und in «Silent Joy» mit Ondrej Šulaj. In den 90er Jahren wandte er sich thematisch noch einmal der Periode des Kommunismus in der Slowakei zu und produzierte eine emotionelle Collage welche die Verletzung der Menschenrechte in totalitären Regimen zum Thema hatte: «Papierove Hlavy» (Papierköpfe, 1995).




© Verein SüdFILMfest Amstetten
Startseite neu laden