Das Der Verein SüdFILMfest 2006
Filmbeschreibungen


Eröffnung

19:30 Eröffnung und Einführung durch den Obmann des Vereins SüdFILMfest Gerhard Steinkellner.
19:45 Eröffnung des Festes durch einen Vertreter/eine Vertreterin der Stadtgemeinde Amstetten.
20:00 Musik- und Tanzaufführung einer afrikanischen Kinderspielgruppe.
21:15 Dr. Helmut Groschup gibt einen Überblick über das Filmgeschehen in Afrika anhand einer Ausstellung von Filmplakaten zu afrikanischen Filmen.
20:30 In unserer Region lebende Afrikaner laden die Besucher zu einem typisch afrikanischen Essen ein.
21:30 Bei Einbruch der Dunkelheit stellt der Regisseur Peter Liechti seinen Film „Namibia Crossing” vor, der im Anschluss vorgeführt wird.

Namibia Crossing (Namibia Crossing)
Land: Namibia/Schweiz
Jahr: 2004
Regie: Peter Liechti
Kamera: Peter Guyer und Peter Liechti
Montage: Loredana Cristelli
Ton: Dieter Meyer
Musik: Hambana Sound Company and Friends, Bernhard Göttert
Kommentar: Peter Liechti
Sprecher: Hanspeter Mueller-Drossaart
Produktion:
Format: 35mm - von Video übertragen, 1:1,85, Dolby SR
Länge: 92 Minuten
Untertitel: d

Namibia Crossing

(Namibia Crossing)

Der Film ist die Reise durch ein Land von archaischer Schönheit und voller bizarrer Gegensätze - stetes Echo auf die Polyphonie der seelischen Landschaften, gebildet aus den Hochs und Tiefs des Ensembles „Hambana Sound Company” – 12 Musiker und Sängerinnen aus Namibia, Zimbabwe, Angola, der Schweiz und Russland gehen zusammen auf Tournee. 12 verschiedene Träume unterwegs in einem Land, das sich – genauso wie das frisch gegründete Ensemble – von Grund auf neu erfinden muss: Namibia, ehemals Deutsch–Südwestafrika. Die gemeinsame Suche nach den tieferen Quellen von Musik wird mehr und mehr zur Grenzerfahrung jedes einzelnen, vor allem durch die Begegnung mit den lokalen Musikgruppen in den abgelegenen Provinzen - euphorische, traurige, heftige Begegnungen.

„NAMIBIA CROSSINGS erzählt eine wahre Geschichte: zwölf Musiker kommen zusammen - ihre Idee ist es, die kulturellen Lasten fallen zu lassen und zu den Wurzeln der Musik zurückzugelangen. Voll Enthusiasmus machen sie sich auf den Weg. Sie durchqueren Namibia, diesen afrikanischen Staat, der kaum geheilt ist von den Wunden der Kolonisation und der Apartheid, diese Ansammlung von Wüstenplateaus, wo Nomaden leben mit Aids, Deutsche, die in Nostalgie erstarrt sind, und würdevolle Elefanten. Sie treffen einheimische Musiker und tauschen Rhythmen und Harmonien.

© Cinematograph-Filmverleih

Hier finden Sie weitere Hintergrundinformationen zum Film „Namibia Crossing”.


>La petite vendeuse de soleil (Die kleine Verkäuferin der Sonne)
Land: Senegal/Schweiz/Frankreich
Jahr: 1999
Regie: Djibril Diop Mambéty
Drehbuch: Djibril Diop Mambéty
Kamera: Jacques Besse
Montage: Sarah Taouss Matton
Ton: Alioune M'Bow
Musik: Wasis Diop
Produktion: Maag Daan (Senegal), Waka Films AG (Schweiz), Céphéide Productions (Frankreich)
Format: VHS
Länge: 45 Minuten
Originalsprache: Wolof
Untertitel: d
Darsteller: Lissa Balera (Sili Laam)

La petite vendeuse de soleil

(Die kleine Verkäuferin der Sonne)

Die etwa zwölfjährige Sili Laam lebt seit Jahren als Straßenkind in Dakar, der Hauptstadt des Senegals. Sie ist stark gehbedindert, kann sich nur mit zwei Krücken bewegen und kommt nur durch Betteln über die Runden. Um ihre Situation zu verbessern beschließt sie eines Morgens Zeitungen zu verkaufen. Zwar sind alle Zeitungsverkäufer in Dakars Strassen Jungs aber sie ist wild entschlossen dies so nicht länger hinzunehmen. Denn was bislang nur Knaben vorbehalten war sollte ihrer Meinung nach auch Mädchen offen stehen. Dank ihrer Beharrlichkeit erhält sie die Chance, die 13 verbliebenen Exemplare der Tageszeitung „La Soleil” (Die Sonne) zu verkaufen. Die Dreizehn soll ihre Glückszahl werden doch das genügt im Überlebenskampf der Straßenkinder noch lange nicht. Mit unglaublicher Energie drängt sie sich in das etwas bessere Leben der Zeitungsjungen vor und lernt dabei auch das harte Pflaster des Konkurrenzkampfes kennen. Doch die kleine Welt der Zeitungsverkäufer ist erbarmungslos. Sili durchlebt schmerzhafte Augenblicke, schließt eine Freundschaft und demonstriert vor allem Hartnäckigkeit, Ausdauer, Kraft aber auch Charme.

Eine Liebeserklärung eines der wohl besten Filmemacher Schwarzafrikas an die die Freundschaft und den Mut der Straßenkinder.

© Peter Meier, BAOBAB

Dieser Filme ist das Angebot des SüdFILMfestes an Kinder und Jugendliche ab etwa 10 Jahren sich mit der Situation von Straßenkindern in ihrem Alter auseinanderzusetzen. Für Eltern die ihre Kinder zu diesem Film begleiten und mit ihnen über diesen Film auch sprechen wollen stellen wir hier noch weiterführende Informationen zum Film „La petite vendeuse de soleil” zur Verfügung.

Im Rahmen SüdFILMfestes 1994 habe wir mit dem Film Hyènes (Hyänen) schon einmal einen Film Djibril Diop Mambéty gezeigt. Wir freuen uns ganz besonders Ihnen auch heuer wieder einen Film dieses großen afrikanischen Regisseurs zeigen zu können.


Guelwaar (Guelwaar)
Land: Sénégal
Jahr: 1992
Regie: Ousmane Sembene
Drehbuch: Ousmane Sembene
Produktion: Filmi Doomireew/Galatée Films/WDR
Format: 16mm/Video VHS
Länge: 105 Minuten
Originalsprache: Wolof/Französisch
Untertitel: d
Darsteller: Mame Ndoumbé Diop (Nogoy Marie Thioune)
  Thierno Ndiaye (Pierre Henri Thioune)
  Ndiawar Diop (Barthelemy)
  Omar Seck (Gora)
  Papa Momar Mbaye (Gaston)
  Myriam Niang (Helene)
  Babacar Mbaye (Mor Cloo)

Guelwaar

(Guelwaar - abgeleitet aus dem Malinke Kélé Diawaru: „Krieger edler Abkunft”)

Durch ein Missverständnis wurde die Leiche Guelwaars verwechselt und von einer muslimischen Familie, die ebenfalls einen Toten zu beklagen hatte, beerdigt. Diese will von einer Verwechslung nichts wissen, obwohl die katholische Trauergemeinde den Leichnam unbedingt zurück will. Während sich die Auseinandersetzung bedrohlich zuspitzt, charakterisieren mehrere Rückblenden den toten Guelwaar als einen Kämpfer, der die korrupten Behörden anklagte, die Bevölkerung mit ihrer - vom Westen finanzierten - Nahrungsmittelhilfe im wahrsten Sinne des Wortes abzuspeisen. Allmählich kommen die wahren Umstände seines Todes ans Tageslicht. Doch zugleich erhält das Ansehen des Volkshelden auch deutliche Risse. Schritt für Schritt führt uns Ousmane Sembene die Probleme Senegals vor Augen. Sein ebenso poetischer wie kritischer Film hinterfragt die Abhängigkeit von Nothilfe und stellt die gesellschaftlichen, politischen und religiösen Konflikte seines Landes pointiert dar.

© Filme für eine Welt - Created by mediaLINK

Vielschichtig inszeniert der Altmeister des afrikanischen Films Ousmane Sembène den Streit zwischen den Bewohnern zweier kleiner Dörfer im Senegal. Die Geschichte beginnt dort wo das Leben endet: zwei Tote werden verwechselt und schon tun sich der Reihe nach Gräben auf die nicht bloß charakteristisch für die Probleme Afrikas sind, sondern wahrscheinlich überall auf dieser Welt beobachtet werden können, wo Menschen zusammen leben. Da wendet sich Jung gegen Alt, Traditionen gegen das Moderne, Christen gegen Moslems, Europäer gegen Afrikaner, Wolof wird gegen das Französische ausgespielt, Hilfe wird zur Unterdrückung und Nutten werden zu Retterinnen der traditionellen Familienstrukturen. Der ganze Irrwitz menschlichen Lebens wird am Mikrokosmos zweier kleiner afrikanischer Dörfer offen dargestellt. Die Botschaft Sembènes ist zwar ganz an seine Landsleute gerichtet aber uns Europäern gibt der Film die Möglichkeit unsere eigenen Probleme in einem Umfeld zu sehen, wo wir darüber ungezwungen lachen können weil wir uns oft nicht sofort in dem uns vorgehaltenen Spiegel erkennen können. Denn witzig ist der Film allemal, witzig, frivol, offen mit wunderbar schönen Bildern. Sembène, der in jungen Jahren seine Französischlehrer prügelte und deshalb von der Schule flog hat seine Lektion gelernt und ist nicht zum Lehrer mit dem erhobenem Zeigefinger geworden. Wer seinen Lehren nichts abgewinnen kann, bekommt trotzdem eineinhalb Stunden köstlicher Unterhaltung geboten.

Auch für den Film „Guelwaar” haben wir insbesondere für Interessenten die sich mit entwicklungspolitischen Themen auseinandersetzen eine Menge weiterer Informationen zusammengetragen.


L'enfant endormi (L'enfant endormi)
Land: Marokko
Jahr: 2002
Regie: Yasmine Kassari
Drehbuch: Yasmine Kassari
Kamera: Giorgos Arvanitis
Montage: Susana Rossberg
Ton: Henri Morelle et Madone
Musik: Armand Amar, Koussan Achod
Ausstattung: Raj Thapa
Produktion: Les Films de la Drève
Format: 35 mm, 1:1,85, DR
Länge: 95 Minuten
Originalsprache: Arabe/Berbère
Untertitel: d/f
Auszeichnungen: Prix du public et d'interprétation au festival européen "Premiers Plans", Angers 2005 - Venise 2004: sélectionné dans la section ?Horizons?. Mention "Meilleur film européen" décerné par la Confédération Internationale d'Art et d'Essai (CICAE). - Fribourg 2005: Grand prix du Jury und Preis der Internationalen Filmkritik - Namur 2004: Prix du public de la ville de Namur - Festival Débuts, Koszalin (Pologne), 2004: Grand Prix du festival et Prix d?interprétation décerné à Rachida Brakni - Trophée du meilleur 1er scénario, promesse de nouveaux talents, décerné par le Centre national cinématographique, Paris 2003 - Prix du scénario du Festival " Filmer à tout prix " de Bruxelles - Prix de la Bourse d?aide au développement du 22e Festival de Montpellier, novembre 2000 - Sélection aux Ateliers d?Equinoxes 1997 (Plan Média)
Darsteller: Rachida Brakni (Halima)
  Mounia Osfour (Zeinab)
  Aïssa Abdessamie (Amziane)

L'enfant endormi

(L'enfant endormi)

Im Nordosten Marokkos erlebt die hübsche Zeinab ihr Hochzeitsfest und muss zusehen, wie der Ehemann am Tag danach ins Ausland abreist, um in Europa irgendwo Arbeit zu suchen. Wann er wiederkehren wird, ist unklar. Klar ist einzig, dass Zeinab schwanger ist. Auf den Mann wartend macht die junge Frau, was in ihrer Heimat einer alten Tradition entspricht: Sie lässt das ungeborene Kind in ihrem Körper schlafen in der Hoffnung, dass der Vater eines Tages wieder kommen möge und sie dann gemeinsam das Kind zur Welt bringen können. Was ungewohnt scheinen mag, entspricht im Maghreb einem alten Brauch. Die Filmemacherin Yasmine Kassari, die mit ihrem letzten Film „Quand les hommes pleurent” Männer im spanischen Arbeitsexil porträtiert hat, stellte sich die Frage: Und was ist mit den zurückgelassenen Frauen? Sie hat sich nach dem Dokumentarfilm für den Spielfilm entschieden, um von diesem Brauch zu reden, der auch sinnbildlich stark ist für die Situation der Frauen.

„Ich habe effektiv einen Mythos genommen, der seit Urzeiten existiert, insbesondere im Maghreb”, sagt Yasmine Kassari. „Dieser Mythos interessierte mich in dem Sinn, als er Sinnträger sein konnte für das, was ich erzählen möchte. Was mich interessiert, ist weniger die soziologische oder anthropologische Lektüre des Mythos, als vielmehr sein metaphorischer Gehalt.” Und genau dies schafft sie auch auf einfühlsame Weise mit ihrem Film, in dem wir eine sorgsame Annäherung ans Frauenleben im Marokko von heute zu sehen bekommen mit der vorzüglichen Kameraarbeit von Giorgos Arvanitis, der sich über die Filme des Griechen Theo Angelopoulos einen Namen gemacht hat. Seine Bilder sind von einer Diskretion getragen, die für den fragilen Stoff entscheidend sind. Denn letztlich geht es um etwas, was nicht wirklich sichtbar ist.

Die Gründe für das „Schlafenlassen des Fötus” (le raged) sind vielfältig. Es kann sein, dass eine werdende Mutter keine unverzügliche Geburt wünscht, weil sie schon zu viele Kinder hat und die Ankunft eines weiteren verzögern möchte. Es kann auch sein, dass sie Witwe ist oder eine abgewiesene Frau, die nicht wieder heiratet. Oder eben, wie im Fall von Zeinab, dass der Vater des Kindes im Ausland lebt und dort auf eine bessere Zukunft hofft, während die Frau seine Rückkehr abwarten möchte, um das Kind in die Welt zu setzen. Das Schlafenlassen geschieht in Kenntnis aller Betroffenen, betont Yasmine Kassari, es stelle für niemanden ein Problem dar und „die Männer tragen genauso viel dazu bei wie die Frauen.” Die Regisseurin wollte am Beispiel des eingeschlafenen Fötus aber nicht von der Rolle der Frau im ländlichen Marokko reden. Sie meint: „Ich bin nie von einer Forderung ausgegangen. Da stecken weit tiefere Gründe dahinter. Dieser Film stellt die Frauenfiguren in den Vordergrund, aber bevor ich von diesen Frauen sprach, hatte ich einen Film über Männer gemacht: ‚Quand les hommes pleurent’. Ich glaube nicht, dass ‚L'enfant endormi’ ein Film ist, der stärker auf die Frauen fokussiert ist als auf die Männer. Tatsächlich existieren die Männer hier kraft ihrer Absenz. Sie sind ständig außerhalb des Bildes. Ich habe diesen Film gemacht, um über den Stand der Dinge zu reden, den Stand des Körperlichen, der die Männer genauso betrifft wie die Frauen.”

Die Region, in der diese Geschichte angesiedelt ist, kennt Yasmine Kassari bestens, da sie als Kind oft dort weilte und sogar viel Zeit in der Nähe des Flusses verbrachte, an dem sie drehte. Das war auch der Ort, an dem sie zum ersten Mal von diesem Mythos des schlafenden Kindes reden hörte. Heute noch fahre man in der Region mit dem „Einschlafen” fort, so, wie man das im Film sehen kann. Wobei man auch gleichzeitig anfügen darf, dass wohl nur eine Frau diese Geschichte mit dieser Sensibilität erzählen konnte und mit dem Gespür für die kleinen Details im marokkanischen Frauenalltag, die das Thema des Kinderhabens weit über diesen hinausheben und ihm Poesie und eine allgemeine Gültigkeit verleihen.

© Walter Ruggle, trigon-film

Mehr zu diesem Film finden Sie im trigon-film Magazin Nr. 30, einiges davon haben wir für Sie auszugsweise zusammengefasst.


Catching Images

(Eine Annäherung an den Regisseur des Fims „Guerre sans images”, Mohammed Soudani)
Mohammed Soudani, Regisseur des Filmes „Guerre sans images”

Österreichische Studenten porträtieren den algerischen Regisseur.


Guerre sans images - Algérie, je sais que tu sais (Krieg ohne Bilder - Algerien, ich weiß dass Du weißt)
Land: Schweiz/Frankreich
Jahr: 2002
Regie: Mohammed Soudani
Drehbuch: Mohammed Soudani, Michael von Graffenried
Kamera: Paul Nicol, Mohammed Soudani, Michael von Graffenried
Montage: Jacopo Quadri, Fabien Krzyzanowski
Ton: Paolo Logli, Jean-Pierre Fénié
Musik: Giovanni Venosta
Produktion: Amka Films Productions SA (Suisse), I.M.T.M. Film Sarl (France)
Länge: 85 Minuten
Originalsprache: Arabe/Français
Untertitel: d/f

Guerre sans images

(Algerien, ich weiß, dass Du weißt)

Der Krieg in Algerien ist ein Drama, das weitgehend hinter verschlossenen Türen stattfindet. In seinem Film stösst der algerisch-schweizerische Regisseur Mohammed Soudani einige dieser Türen auf und entwirft das faszinierende Porträt einer Nation auf der Suche nach ihrer Identität.

Vor zehn Jahren wurde in Algerien der Ausnahmezustand verhängt. Seither wird das Land im Kampf um die Zukunft von einem namenlosen Krieg zerrissen. Durch die Anschläge vom 11. September ist auch der Krieg in Algerien, wieder in unser Bewusstsein gerückt.

Der Schweizer Fotograf Michael von Graffenried reist seit zehn Jahren regelmäßig nach Algerien und fotografiert die Menschen in ihrem vom Krieg geprägten Alltag zwischen Tradition und Fortschritt. Im Film des algerisch-schweizerischen Doppelbürgers Mohammed Soudani („Waalo Fendo”, Schweizer Filmpreis 1998), bringt die Begegnung mit dem Fotografen und seinen Schwarzweiß-Bildern die Betroffenen zum Reden. Sie, die nichts von der Existenz dieser Fotos gewusst haben, erinnern sich an dramatische Augenblicke in ihrem Leben, an persönliche Schicksalsschläge, an die Grausamkeit der Täter, und erzählen von Ihrem Alltag im heutigen Algerien, von ihren Ängsten und Hoffnungen. Das Fotoalbum des Schweizer Fotografen wirkt dabei wie ein Schlüssel zum Herzen der Algerier. Sie sprechen von Dingen, die sonst unausgesprochen bleiben und verarbeiten so ein Stück weit auch ihr Schicksal. Darüber hinaus thematisiert der Film auch die Frage, wie in einer islamischen Gesellschaft mit ihrem religiös bedingten Bildverbot mit Fotos umgegangen wird, die im Geheimen gemacht wurden.

Der Filmessay vermittelt eine lebendige Erinnerung an menschliche Qual und Trauer, zeigt aber auch, dass selbst in einer von Gewalt und Terror geprägten Gesellschaft und unter dem aufmerksamen Blick des allgegenwärtigen Militärs ein ganz gewöhnliches Leben möglich ist; in einer Disco zum Beispiel, an einem Rockkonzert, am Badestrand oder an einer Modeschau. Er entwirft das faszinierende Porträt einer Nation auf der Suche nach ihrer Identität.

Mehr Information zum Film Guerre sans images.


Die Gruppe Percussion Mania
Mamadou Diabate und die „Percussion Mania”
Mamadou DiabateBalafon, Djembe, Lunga, Ngoni
Louis SanouBalafon, Djembe
Karim SanouDjembe, Baara, Dundun

Das Fest für Freunde VII

Begegnungen mit unseren ausländischen Freunden

Das Fest für Freunde ist schon so lange integrierter Bestandteil des SüdFILMfestes, dass viele der regelmäßigen Filmbesucher es wahrscheinlich ganz schmerzlich missen würden. Denn beiden Veranstaltungen eigen ist das Wissen um den Wert und die Freude am Kennenlernen fremder Kulturen. Das Team um Marianne Furtner welche die Kontakte zu unseren Freunden knüpft und Georg Edlinger der für eine professionelle Musikauswahl sorgt finden zu jedem Filmthema immer die passende Ergänzung. Dieses Jahr haben sie Mamadou Diabate aus Burkina Faso und seine Gruppe Percussion Mania ausgesucht, die für Sie den musikalischen Rahmen des Festes gestalten werden. Freuen Sie sich mit uns auf den Burkinaben Mamadou Diabate und lassen Sie sich von ihm auf den, im Anschluss folgenden und in Ouagadougu der Hauptstadt Burkina Fasos spielenden Abschlussfilm des SüdFILMfestes 2006 einstimmen.

Mamadou Diabate, der aus einer Jeli-Familie in Burkina Faso stammende Balafon-Virtuose, lebt seit 2000 in Österreich und versucht die Kultur seines Volkes, der Sambla, bekannt zu machen. Gemeinsam mit Louis Sanou begeisterte er auf den mit Kürbisresonatoren (Kalebassen) bestückten Xylofonen. Musik von unglaublicher Stärke erwuchs aus der Wiederholung rhythmischer Muster, die durch das virtuose, mit neueren Techniken verknüpfte Spiel Diabates gleichsam zu reden schienen. Karim Sanou verstärkte mit den Basstrommeln Dundun und der kleinen Trommel Baara gekonnt das rhythmische Element.

© Michael Wruss über das Konzert im Linzer Brucknerhaus (OÖ Nachrichten, 04.März.2006)


>Ouaga Saga (Ouaga Saga)
Land: Burkina Faso
Jahr: 2005
Regie: Dani Kouyaté
Drehbuch: Michel Mifsud, Jean Denis Berenbaum
Kamera: Jean-Claude Schiffrine
Montage: Jean Daniel Fernandez
Ton: Francis Baldos
Musik: Moctar Samba
Produktion: Agnès Datin
Format: 35 mm - co
Länge: 85 Minuten
Originalsprache: Français
Untertitel: d
Auszeichnungen: FESPACO (Ouagadougou - Burkina-Faso) - 2005 - Prix „Graine de Baobab - Wandé”
Darsteller: Amidou Bonsa (Bourémah)
  Sébastien Bélem (Bouba)
  Aguibou Sanou (Moussas)
  Thomas Ouédraogo (Kadou)
  José Sorgho (Cyrille)
  Yacouba Dembélé (Le Shérif)
  Gérôme Kaboré (Pelé)
  Delphine Ouattara (Mama)
  Yasminh Sidibé (Faustine)

Ouaga Saga

(Ouaga Saga)

Ouagadougou ist die Hauptstadt von Burkina Faso. Der Name allein ist schon Musik. Ouagadougou ist aber auch das Mekka des schwarzafrikanischen Kinos, denn hier findet alle zwei Jahre das Fespaco statt, das wichtigste Festival des Kontinents.

Wenn der burkinabische Theater- und Filmemacher Dani Kouyaté, der auch in Europa mit seinen märchenhaften Bühnenexperimenten bekannt und beliebt ist, nun einen Film gestaltet hat, den er gewitzt Ouaga Saga betitelt, so hat dies denn auch verschiedenste Gründe. Zunächst einmal ist das ganz einfach eine aberwitzige Komödie mitten aus dem Leben in Afrika, das auf der Leinwand in seiner ganzen Buntheit blüht. Es ist eine städtische Komödie, die vor Augen führt, dass ein Land wie Burkina Faso auch von einem städtischen Leben geprägt ist. Dann ist es eine Hommage ans Kino in Ouagadougou und in Afrika überhaupt, denn alles dreht sich in Ouaga Saga immer wieder um den Film und den Ort, an dem die Menschen Filme anschauen und genießen.

Das Kino ist hier einer der wichtigen Treffpunkte, ein Ort der Emotionen, denen man freien Lauf lassen kann. War sein letzter Spielfilm „Sia, le rêve du Python” ein stark an Traditionen anknüpfendes Werk, so versucht Dani Kouyaté hier die gegenwärtige Realität in seiner Heimat Burkina Faso in einer Geschichte umzusetzen, die aus dem Leben gegriffen ist und in den Alltag hinein inszeniert. So nah sie mitten im Treiben drin ist, so wunderbar leicht ist sie auch wieder überhöht, bis sie am Ende abhebt vom Planeten Erde und davon schwebt. Aus dem Weltall wird vor allem eines deutlich: Schwarzafrika mit Ouagadougou ist nicht nur ein anderer Kontinent, das ist ein anderer Planet.

„Ich versuche, die Gegenwart in Burkina Faso zu übersetzen”, sagt Dani Kouyaté, „eine Wirklichkeit, in der sich die ökonomischen Sorgen mit einer großen Jugendarbeitslosigkeit eingeschrieben haben, der Wille, Erfolg zu haben, die sozialen Umstände, ohne dabei in eine pessimistische Vision zu verfallen oder in ein negatives Bild.” Genau dies gelingt ihm aufs Vorzüglichste, und da ist schon sehr stark der Theatermacher spürbar, der in seinen Experimenten das Geschichtenerzählen abtastet, das Betrachten der Realität, aus der heraus Geschichten wachsen, die sie auch wieder vergessen lassen, die die wildesten und buntesten Blüten treiben können und vor Aug und Ohr führen, wie reich die menschliche Fantasie ist und die Spielfreude.

„Mehrere Elemente, Personen und Umstände sind charakteristische Erinnerungen an Ouagadougou und an meine eigene Kindheit„, sagt Dani Kouyaté. Dieses positive und joviale Universum, diese Lebenslust, die Liebe zum Kino, die Kunst dessen, was sie „Système D” nannten wie „Débrouille (Schlag dich durch)” sei prägend gewesen für ihn und seine Freunde. Ouaga Saga ist denn auch eine sehr persönlich geprägte Hommage an die Stadt Ouagadougou geworden und eine Liebeserklärung ans Kino. „Ich versuchte, ihre Verrücktheit zu rekonstruieren, ihren Dynamismus, ihre Verschiedenheiten und ihre Vitalität, alles Momente, die Darstellende im Film geworden sind.”

Darüber hinaus ist Ouaga Saga auch ein modernes Märchen. Dani Kouyaté lacht verschmitzt, wenn man ihn auf die kleinen Märchenglitzerelemente anspricht, die den Film zusätzlich glitzern lassen. „Weißt du, wie viel Zeit wir aufgewendet haben, um das alles so schön hinzubekommen”, lacht er. „Der Gebrauch von Spezialeffekten war ein Grundelement auf künstlerischer Ebene wie auf technischer, um den Geist von Ouaga Saga hinzubekommen. Die kleinen ‚Tricks’ unterstreichen eine Komik und Leichtigkeit des Films, sie verleihen ihm auch einen fantastischen Charakter und etwas Populäres im besten Sinn des Wortes, denn sie sind auch Teil der Magie der Erzählungen und Geschichten. Um das zu erreichen, haben wir in High Definition gedreht, was sich als ideal erwies.”

Und die Handlung selber? Sie ist kunterbunt im besten Sinn. In der Hauptstadt eines afrikanischen Landes namens Burkina Faso versucht eine Bande von Jugendlichen zu überleben und zu blühen angesichts der 1001 Versuchungen. Kouyaté erzählt eine Reihe von Abenteuern von Jungs, die sich durchschlagen müssen in einem heruntergekommenen Quartier von Ouagadougou, die auf der Suche sind nach Hoffnungszipfeln. Das Geld fehlt, nicht aber der Ideenreichtum. Und so lassen sie sich eben allerhand einfallen, genießen im Kino Howard Hawks und sehen den Ort der bewegten und bewegenden Bilder als ein Paradies und einen Fluchtpunkt. Ob sie es wohl schaffen, sich den Traum vom Multiplex zu erfüllen, in dem sie gleich mehrere Geschichten zeigen können? Wer weiß.

© trigon-film

Auch zu diesem Film ist das trigon-film Magazin Nr. 30 voll interessanter Details, einige davon finden Sie auf unserer Hintergrundinformationsseite.


© Verein SüdFILMfest Amstetten
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