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| Land: | Griechenland/Türkei |
| Jahr: | 2003 |
| Regie: | Tassos Boulmetis |
| Drehbuch: | Tassos Boulmetis |
| Kamera: | Takis Zervoulakos |
| Montage: | Yorgos Mavropsaridis |
| Musik: | Evanthia Reboutsika |
| Produktion: | Lily Papadopoulos, Rtemis Skouloudi |
| Länge: | 108 Minuten |
| Originalsprache: | Griechisch/Türkisch |
| Untertitel: | Deutsch |
| Darsteller: | Georges Corraface (Fanis Iakovides) |
| | Ieroklis Michaelidis (Savas Iakovides) |
| | Renia Louizidou (Soultana Iakovides) |
| | Stelios Mainas (Onkel Aimilios) |
| | Tamer Karadagli (Mustafa) |
| | Tassos Bandis (Großvater Vassilis) |
Politiki kouzina (A Taste of Spice, Zimt und Koriander)
(Griechenland, 2003, Griechisch, deutsche Untertitel)
Montag, 24. April, 19:30, Rathaushof, Amstetten
Dieser Filmabend wird gemeinsam mit dem Jugendzentrum Atoll organisiert. Im
Anschluss an den Film laden wir die Besucher zu einem Filmgespräch
und zu einem kleinen griechischen Imbiss ein den wir gemeinsam mit dem
Restaurant „Zum Griechen” für Sie vorbereitet haben.
Eintritt: € 6,-- für Erwachsene, € 3,-- für Schüler.
Für die Snacks und Getränke bitten wir um freiwillige Spenden.
Selten genug finden griechische Filme ihren Weg in die heimischen Kinos. Wenn
das dann doch einmal passiert und es sich, wie in diesem Fall, auch noch um
eine griechisch-türkische Koproduktion handelt, ist das tatsächlich
bemerkenswert. „Zimt und Koriander”, ist in Athen und in Istanbul
entstanden, wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet
und ist in Griechenland erfolgreich wie kaum ein eigenproduzierter Film zuvor.
Wie der Titel schon andeutet, spielen Essen und Gewürze in „Zimt und
Koriander” eine wichtige Rolle und auch der Aufbau des Films gleicht
einer Mahlzeit: Den Anfang machen die Vorbereitungen, es folgen das Menü
mit der Vorspeise, dem Hauptgericht und der Nachspeise. Kochen ist seit jeher
die große Leidenschaft des vierzigjährigen Fanis. Heute ist er in
Griechenland ein angesehener Professor für Astrophysik aber seine Kindheit
verbrachte er in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, wo er die meiste Zeit
im Gewürzladen seines Großvaters saß und von diesem alles im
Leben Wichtige lernte. So erfuhr er, dass es im Leben, ebenso wie beim Essen,
ab und zu eines besonderen Geschmacks und der entsprechenden Schärfe
bedarf. Die Freundschaft mit dem Mädchen Saime besiegelte diese
herrliche Zeit.
Doch das Leben hatte anderes mit Fanis vor: Die türkischen Behörden
verweisen eines Tages alle Griechen des Landes, der Junge muss mit seinem
griechischen Vater und der Mutter die geliebte Heimat schweren Herzens
verlassen, nur der Großvater Vassilis bleibt zurück. Jahr für
Jahr wieder verspricht er seinen Besuch doch es kommt nie dazu. Der Junge ist
mittlerweile schon lange erwachsen, wieder kündigt sich der
Großvater an und wieder kommt etwas dazwischen. Diesmal jedoch ist es
ernst, Vassilis liegt im Sterben und der Enkel beschließt zum ersten
Mal nach so langen Jahren an den Ort seiner Kindheit, den er nie vergessen
hat, zu reisen. Es wird eine melancholische Reise in das heutige Istanbul.
Mit seiner Rückkehr überschreitet Fanis die Grenzlinie zur
Vergangenheit und macht seine gespaltene Identität sichtbar. Die
Geschichte seiner Familie steht für die Traurigkeit und Enttäuschung
all jener Griechischstämmigen, die von der türkischen Regierung
gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen. Eine neue Heimat in Griechenland
zu finden war denn auch nicht gerade leicht, denn auch hier waren die
Menschen aus Konstantinopel wieder Fremde. Die Bewahrung der eigenen Kultur,
unter anderem das Zubereiten traditioneller Speisen, wurde zu einer wichtigen
Aufgabe. Der Film zeigt die Tragik der Situation, ohne eine urteilende
Position einzunehmen oder Klischees abzuarbeiten. Und dabei darf durchaus
gelacht werden. So sind die traditionellen Familienessen gespickt mit
bizarren Kleinigkeiten, wie dem Versuch von Fanis, der jungen Braut des Onkels
das Kochen beizubringen, wobei sich die junge Frau als unbelehrbar und damit
als nicht heiratsfähig erweist. Und dann ist da ja noch Saime, seine
Liebe aus Kindertagen ….
Die Geschichte trägt autobiographische Züge, denn Regisseur und
Drehbuchautor Boulmetis greift auf eigene Erfahrungen zurück. Geboren
in Istanbul/Konstantinopel, wurde seine Familie in den sechziger Jahren
gezwungen nach Griechenland auszuwandern. Trotz dieses ernsten und sehr
persönlichen Hintergrunds gerät sein Film aber niemals in zu
tiefes Fahrwasser, sondern bleibt stets ein positiver, wenn auch leicht zu
durchschauender Wegbegleiter. Ein warmherziger, wennh auch stellenweise
etwas langatmiger Film, der seine Zuschauer zu einer beschaulichen und
kulinarischen Reise einlädt und sie später mit einer
melancholischen Stimmung wieder in ihre eigene Welt entlässt.
„Zimt und Koriander” erzählt vom Verlust und der Erinnerung
an Heimat, der Bedeutung von Freundschaft und – natürlich –
von der Liebe. Auch wenn der Film verschiedene Zeitebenen verknüpft,
ist der Handlungsverlauf übersichtlich und die Geschichte liegt nicht
allzu schwer im Magen. Das kann man positiv oder negativ sehen. Die Zutaten
reichen von einer bunten Mischung unterschiedlicher Gefühle wie
Traurigkeit, Freude und Einsamkeit, bis zu einer ordentlichen Portion Humor
und einer Messerspitze Skurrilität. Alles jedoch in Maßen. Wie
ein leicht bekömmliches Gericht. Ein gelassener und langsamer Film,
der verzaubern kann, wenn man sich verzaubern lassen möchte.
© Bilder: Alamode Film, Copyright 2003
Vertreiben und vertrieben werden scheint untrennbar mit der Geschichte der
Menschen verbunden zu sein. Wie eine schwere Hypothek lastet die
Vergangenheit dann jedoch auf Opfer und Täter. Der Streit zwischen
Österreich und Tschechien um die Vertreibung der Sudetendeutschen
vor gut sechzig Jahren zeigt, wie schwer Aufarbeitung sein kann. Ein
sorgsamer Umgang mit diesem sonst recht unterhaltsamen Film ist also
durchaus angebracht.
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