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| Land: | Rumänien |
| Jahr: | 1998 |
| Regie: | Tony Gatlif |
| Drehbuch: | Tony Gatlif |
| Kamera: | Eric Guichard |
| Montage: | Monique Dartonne |
| Ton: | Nicolas Naegelen |
| Musik: | Tony Gatlif |
| Ausstattung: | Brigitte Brassart |
| Produktion: | Guy Marignane |
| Länge: | 98 Minuten |
| Originalsprache: | Französisch/Rumänisch |
| Untertitel: | Deutsch |
| Auszeichnungen: | Silbernen Leoparden, Locarno, 1997 |
| Darsteller: | Romain Duris (Stephane) |
| | Rona Hartner (Sabina) |
| | Izidor Serban (Izidor) |
| | Ovidiu Balan (Sami) |
| | Dan Astileanu (Dimitru) |
| | Valentin Teodosiu (Denech) |
| | Florin Moldovan (Adriani) |
| | Mandra Ramcu (Mandra) |
| | Aurica Serban (Aurica) |
| | Radu Ramcu (Radu) |
Gadjo Dilo (Geliebter Fremder)
(Rumänien, 2003, Rumänisch/Französisch, deutsche Untertitel)
Mittwoch, 27. September, 19:30, Rathaushof, Amstetten
Anmerkung: Dieser Film eignet sich auch für den Unterricht in den
Fächern Deutsch, Musik, Ethik, Religion oder Geschichte ab der
9. Schulstufe etwa zu den Themen Lebenswelt der Zigeuner, Vorurteile,
Faszination der Zigeunermusik .
Eintritt: € 6,-- für Erwachsene, € 3,-- für Schüler.
Die Geschichte gleicht in ihrer Einfachheit einem Märchen:
Stéphane, ein junger Franzose aus Paris, kommt nach Rumänien,
im Gepäck eine Kassette, die sein Vater in seinen letzten Lebenstagen
unentwegt gehört hat. Sie enthält Lieder einer rumänischen
Sängerin: Nora Luca, die sein Vater, der ein Leben lang in der Welt
herumvagabundiert war und auch in Frankreich nie eine Heimat fand, sehr
verehrt hatte. Diese Sängerin will Stéphane nun finden und
trifft auf seiner Suche
in einem Romadorf auf Izidor, der ihm eine Bleibe bietet. Izidor ist der
Dorfälteste und führt Stéphane in die Dorfgemeinschaft
ein. Die Bewohner, auch in Rumänien eine unterdrückte Minderheit
die sich mit ihrer Sprache, ihren Sitten und Gebräuchen vom Hass der
Rumänen abzuschotten versuchen, reagieren zuerst sehr skeptisch auf
den Eindringling. In dieser Zeit lernt Stéphane Sabina, die schon
in Belgien gelebt hat und fortan seine Dolmetscherin ist, kennen. Die
beiden verlieben sich, und es stellt sich bald heraus, dass
Stéphanes Weg sein Ziel gefunden hat.
Die Story erscheint glatt, vorhersehbar, doch Tony Gatlif lässt
seine Figuren auf diesem ein wenig platt getretenen dramaturgischen
Trampelpfad tanzen, dass es schnell schon gar nicht mehr darum geht,
wohin er führt. Es ist, als bewegten sie sich nach einer
allgegenwärtigen, unhörbaren Musik, die jedoch sofort zur
Realität wird, sobald sie zu ihren zusammengeflickten Instrumenten
greifen oder zu singen anfangen, Und so wie die Musik voller falscher
Noten ist, verschwimmen auch die Dialoge, so dass die Verständigung,
gerade zwischen Stéphane und den Dorfbewohnern, eher über
den Klang der Wörter funktioniert.
„Gadjo Dilo” ist ein Film, der seinen Blick von außen
auf die Geschehnisse im Romadorf richtet und einer der wenigen Filme,
die das Publikum auf der Seite des Fremden mitfühlen lassen. In
erster Linie erzählt er jedoch die Geschichte des Franzosen
Stéphane, nicht die der Dorfbewohner. „Gadjo Dilo”
präsentiert uns das, auch in Rumänien diskriminierte, Volk
der Roma als eine ins ärmste Schicksal inszenierte Idylle, eine
Oase für westliche, des Konsums müde Menschen.
„Gadjo dilo” (wörtlich: „verrückter
Fremder”) ist ein sehr poetischer Film, der auf die Ausdruckskraft
seiner Bilder setzt. Der Einzelne, der Fremde, wird als Punkt in der
winterlichen weißen Wüste oder auf einem langen staubigen Weg
in seiner Nichtigkeit in Szene gesetzt. Erst in der Gruppe, in der
Gemeinschaft, wird er Teil eines farbenfrohen Gemäldes, wird er
Mensch. Als der Franzose Stéphane auf den Spuren seines
verstorbenen Vaters nach Rumänien kommt, ist er ein
„taub-stummer” Fremder, der nichts versteht und der von
niemandem verstanden wird.
Tony Gatlif engagierte mit Romain Duris als Stéphane und Rona Hartner
als Sabina nur zwei professionelle Schauspieler, den Rest der Darsteller
rekrutierte er aus den Bewohnern des rumänischen Drehortes. Auf
diese Weise wurde für Duris die Erfahrung seiner Filmfigur, die
des Fremden, des „Gadjo”, innerhalb einer verschworenen
Gemeinschaft, zugleich seine eigene beim Drehen, und das belässt
den Begegnungen, in denen neugierig gemustert, verlegen geschwiegen,
wild durcheinander geredet wird und damit dem ganzen Film eine lose,
holprige und von sinnlicher Lebendigkeit und chaotischer Schönheit
strotzende Form.
Tony Gatlif wurde am 10. September 1948 in Algerien geboren. Wie viele
andere, verließ er seine Heimat Anfang der 60er Jahre. „Wir
waren 500 Kinder, lebten auf der Straße, waren frei und verachteten
die Schule. Wir wollten nicht eingesperrt sein!” Also drohten die
Behörden mit Streichung der Familienbeihilfen für diejenigen,
die ihre Kinder nicht zur Schule schickten. Das funktionierte nicht.
Schließlich versprachen sie Milch und Mehl für alle
fleißigen Schüler. Doch auch das funktionierte nicht.
Ein Lehrer fand schließlich eine geniale Lösung. Er kaufte einen
16mm Projektor und zeigte jede Woche einen unterrichtsbezogenen Film. Das
Kino drang in meine Leere ein. Meine ganze Karriere verdanke ich diesem
Mann, der sich damals, vor vielen Jahren, um mich gekümmert hat.”
Gatlif kam nach Frankreich, ohne einen Franc in der Tasche. Er kannte die
chaotischen Wege der Straßenkinder, das Verbrechen, die
Besserungsanstalt: „Damals interessierte sich der Staat das erste
Mal für mich, weil ich ein Rebell war.„ Tagsüber
profitierte er von den Kinos auf den großen Boulevards, in denen
man warm und relativ gemütlich schlafen kann.
Tony Gatlif besuchte 1966 einen Drama-Kurs in Saint-Germain-En Laye. Da
er kaum lesen konnte, lernte er seine ersten Texte phonetisch. Fünf
Jahre später stand er im &bsquo;Theatre National de Paris’ auf
der Bühne, in einem Stück von Edward Bond.
Als nächstes beschließt er, hinter die Kamera zu wechseln.
1975 dreht er seinen ersten Film. La Tete en Ruine. 1978 folgt La
Terre au Ventre, der die Geschichte einer Mutter von vier Kindern
während des Algerienkrieges erzählt.
1981 dreht er, mit Zigeunern aus Granada und Sevilla, Corre Gitano in
Spanien: „Der erste Film, in dem ich meine Zigeunerherkunft wieder
gefunden habe. Dieser Film bekennt sich zum Zigeuner-Sein. Trotz allem,
trotz der Verfolgung, der Verachtung - ich bin Zigeuner. Ich existiere,
wir existieren.”
Aber der Film, der Tony Gatlif bekannt macht, ist Les Princes (Die
Prinzen). Vielbeachtet von der Kritik, ist Les Princes ein kompromissloser
Film ohne jedes Pathos über die sesshaften Zigeuner in den Pariser
Vorstädten. Les Princes hat den Weg geebnet und die Zuschauer
aufmerksam gemacht. Ein Film, den der Regisseur als Faustschlag betrachtet.
1992 stürzt sich Tony Gatlif mit Latcho Drom in ein verrücktes
Abenteuer. Mit einem kleinen Team macht er sich auf die Spur der Roma.
Eine Reise, die ihn während eines Jahres von Rajastan nach Andalusien
führt, über Ägypten, Rumänien, Ungarn und Frankreich.
„Für mich ist dieser Film eine Hymne - im ursprünglichen
Sinn des Wortes. Ein Film, der über die Musik eine Verbindung
schafft für die Gesamtheit des Zigeunervolkes.”
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