Das Der Verein SüdFILMfest 2007
Filmbeschreibungen


Eröffnung

19:30 Eröffnung und Einführung durch den Obmann des Vereins SüdFILMfest Gerhard Steinkellner.
19:45 Eröffnung des Festes durch die Kulturstadträtin Abg. zum NR. Frau Ulrike Königsberger-Ludwig.
20:00 Die beiden Künstler Maria del Carmen Galvan de Reiser und Jaime Hernando Osorio führen in ihre Ausstellung ein.
Danach eine Führung durch die Ausstellung seitens der Künstler, für die FestivalbesucherInnen bietet sich dabei die Möglichkeit, in direkten Austausch mit der Künstlerin dem Künstler zu treten.
20:30 Die Besucher werden zu einem lateinamerikanischen Imbiss, welcher von Frau Marquez vorbereitet werden wird, eingeladen.
21:30 Bei Einbruch der Dunkelheit wird der Eröffnungsfilm „Dias de Santiago” vorgeführt wird.

Dias de Santiago (Dias de Santiago)
Land: Peru
Jahr: 2004
Regie: Josué Méndez
Drehbuch: Josué Méndez
Kamera: Juan Durán
Montage: Roberto Benavides
Ton: Francisco Adrianzén
Produktion: Chullachaki Producciones
Format: 36mm / 1:1,66 / Farbe / DD
Länge: 83 Minuten
Originalsprache: Spanisch
Untertitel: d
Darsteller: Santiago Roman (Pietro Sibille)
  Andrea (Milagros Vidal)
  Elisa (Marisela Puicón)
  Mari (Alheli Castíllo)
  Mutter (Lili Urbina)
  Vater (Ricardo Mejía)
  Coco (Erick García)
  Ines (Ivy La Noire)

Dias de Santiago

(Dias de Santiago)

Der 23jährige Santiago Román kehrt nach Lima zurück, nachdem er drei Jahre als Soldat für sein Land gedient hat. Er war an der Grenze zu Ecuador im Einsatz und in der Bekämpfung von Terror und Drogenhandel. Jetzt möchte er ein normales Leben beginnen, arbeiten und eine Familie gründen, doch die Regierung hält für ihre Soldaten keine Unterstützung bereit und in Peru gibt es zu wenig Arbeitsplätze. Santiago muss selber schauen, wie er mit dem zivilen Leben zurechtkommt.

Der Ansatz ist ein global gültiger: Ein junger Mann kehrt nach dem Militärdienst an den Ort seines normalen Lebens zurück und soll sich daselbst nach drei Jahren Abwesenheit im Dienste irgendeines Vaterlandes wieder zurecht finden. Auch die Situation, die er vorfindet, ist austauschbar, egal ob er als Soldat aus dem Irak in die USA heimkehrt, aus Tschetschenien nach Moskau oder eben von der ecuadorianischen Grenze nach Lima: Die Gesellschaft und der Staat, die ihn zur Verteidigung von irgendwelchen Gütern gebracht haben, haben ihm nun nichts zu bieten, was verteidigenswert wäre.

Der junge peruanische Filmemacher Josué Méndez, der bereits mit seinen Kurzfilmen aufgefallen war, legt hier ein inhaltlich überzeugendes wie formal bestechendes Erstlingswerk vor in dem er aufzeigt, dass das Drama eines Armeedienstes oft erst dann richtig beginnt, wenn der Dienst vorüber ist. Zwischen schwarzweißen und farbigen Szenen wechselnd betont Méndez die Lebensnähe seines Filmes, der auch zum Überzeugendsten gehört, was das peruanische Kino hervorgebracht hat. Es ist bei weitem nicht nur ein Film über den heimkehrenden Soldaten, Méndez zeigt uns auch ein ungeschminktes Bild vom Leben in Perus Hauptstadt Lima.

© Walter Ruggle, trigon-film

Mehr zu diesem Film finden Sie im trigon-film Magazin Nr. ?


Hernando Osorio

MALWORKSHOP für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Nach einer speziellen Führung durch die Ausstellung insbesondere für Kinder stellt Hernando Osorio gemeinsam mit den Teilnehmern des Workshops mittels Drucktechniken ein textiles Wandbild her. Der Künstler bringen so die Themen der Ausstellung, nämlich „Bedrohte Tierarten” und „Das verschmähte Erbe” näher. Darüber hinaus bieten sie den Kindern Einblick in die Welt junger Menschen in Lateinamerika. Die bemalten Stoffbahnen können in Folge z.B. als Dekoration des Filmfestivalgeländes Verwendung finden.

Maria del Carmen Galvan de Reiser

Maria del Carmen Galvan de Reiser aus Argentinien zeigt moderne lateinamerikanische Textildesigns im Spannungsfeld zwischen dem Europäischen und dem Indigenen. Mit ihrer Ausstellung „Das verschmähte Erbe” drückt die Künstlerin ihre Wertschätzung für die indigenen Kulturen Lateinamerikas aus und plädiert für ein harmonisches Zusammenleben westlicher und indigener Kulturen, in dem beide Seiten ihr Wissen einbringen und einander dadurch gegenseitig bereichern. Ihre Designs sprechen von Toleranz, von Multikulturalität, von Pluralität, von der Schönheit des Hybriden und des „Anderen”. Für „Das verschmähte Erbe” erarbeitete die junge Künstlerin, die in Baden bei Wien lebt, Designs mit einer starken sozialen und politischen Message.

Hernando Osorio

Der 1953 in Ibagué, Kolumbien, geborene Künstler Jaime Hernando Osorio lebt und arbeitet seit dem Jahre 1985 in Wien. Er studierte Malerei und Druckgraphik an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá, und arbeitete anschließend in New York in Robert Blackburns „Printmaking Workshop”. Hernando Osorio verwendet bei seinen Arbeiten verschiedene Techniken wie Linolschnitte, Radierungen, Holzschnitte, Lithographien und Öl-Sand-Texturen auf Leinwand. Zentrales Thema seiner Ausstellung anlässlich des diesjährigen Südfilmfestivals sind bedrohte Tierarten. Mittels einer Holzschnittserie thematisiert er das „wilde Tier”, das aus unserer, von technokratischer Logik und ökonomischem Nutzen geprägten Welt fast völlig verschwunden ist. Dabei steht Osorios Werk nicht im Gegensatz zum Fortschrittsglauben unserer westlichen Gesellschaft, sondern gewährt uns mit den starken, leuchtenden Farben Eintritt in einen fast meditativen Raum zeitloser Erklärungen des Lebens.


Nicotina (Nicotina)
Land: Mexiko
Jahr: 2005
Regie: Hugo Rodriguez
Drehbuch: Martin Salinas
Kamera: Marcelo Iaccarino a.d.f.
Montage: Alberto de Toro
Ton: Nerio Barberis, Iena Esquenazi
Musik: Fernando Corona «Terrestre»
Produktion: Cacerola Films, Altavista Films, Videocine (Mexiko)
Format: ?
Länge: 92 Minuten
Originalsprache: Spaisch
Untertitel: d/f
Darsteller: Diego Luna (Lolo)
  Daniel Giménez Cacho (Apotheker Beto)
  Lucas Crespi (El Nene)
  Jesús Ochoa (Thomson)
  Carmen Madrid (Apothekerin Clara)
  Marta Beláustegul (Nachbarin Andrea)
  Rosa Maria Bianchi (Barbiersfrau Carmen)
  Rafael Inclán (Barbier Goyo)
  Norman Sotolongo (Svoboda)

Nicotina

(Nicotina)

Eine ziemlich schräge Geschichte, die sich der Mexikaner Hugo Rodriguez da ausgedacht hat. Alles läuft in Echtzeit ab, das heißt, der fantastisch montierte Film dauert genau so lang wie seine Handlung, und die dreht sich um einen rauchenden Computerfreak, der irgendwelche Schweizer Bankkonten ausfindig machen muss. Er ist in seine hübsche Nachbarin verliebt und hat zum Zweck ihrer Beobachtung Computerkameras in ihrer Wohnung installiert. Ein Russe kommt ins Spiel, verschwundene Diamanten und ein Coiffeursalon mit einem Frisier-Paar, bei dem sich insbesondere die Frau als recht schonungslos erweist, wenn sie nur mal das große Geld-Glück wittert. Es geht einiges drunter und drüber in diesem irrwitzigen Geschehen eines Nachts in Mexiko. Der Kinohit ist eines der eindrücklichsten Beispiele eines erstarkenden und erfrischenden mexikanischen Filmschaffens. Er wurde nicht umsonst mit sechs der begehrten mexikanischen Film-Awards preisgekrönt und kann von Raucherinnen wie Nichtrauchern genauso genossen werden.

Unterhaltungskino muss nicht zwingend aus dem Norden kommen, es gibt auch im Süden Filme, die nichts weniger und nichts mehr wollen als ganz einfach zu unterhalten. Ein solches Beispiel erreicht uns aus Mexiko, wo es eine kleine aber doch wachsende Filmproduktion gibt. «Nicotina» ist eines der schönsten Beispiele, wie das mexikanische Kino lebt und eine Lust entwickelt hat, auch formal spielerisch mit seinen Geschichten umzugehen.

Der Film ist eine schwarze Komödie, in der ein erster formaler Ansatz derjenige war, die Geschichte in Realzeit zu erzählen. Das heißt: Alles beginnt an einem Abend um 21.17 Uhr und endet eineinhalb Stunden später um 22.50 Uhr. Vielleicht ist es Montag oder Dienstag, jedenfalls befinden wir uns in Mexiko City, einer der größten Städte der Welt, und daselbst in einem Quartier, in dem an sich ganz normale Menschen leben. Da kann es vorkommen, dass ihnen ein Ausweg aus dem Schicksal winkt, in dem sie sich befinden, und dann wollen sie zupacken, ohne sich viel zu überlegen.

Es sind die Geschichten eines Computerfreaks und Hackers, einer schönen Nachbarin, eines Apotheker- und eines Coiffeurpaares sowie einem obskuren Vertreter der russischen Mafia, die in diesem Film parallel laufen und sich teils zufällig kreuzen. Das ist filmisch sowohl in Parallelmontagen als auch mit Splitscreen aufgelöst und - die Zeit läuft ohne Rücksicht auf Verluste - nimmt seinen zunehmend absurden Lauf. Genau genommen sind sie alle leicht überfordert von den Abläufen, in die sie geraten. Aber so ernst ist das alles nicht. Schieres Vergnügen eben.

© Walter Ruggle, trigon-film

Mehr zu diesem Film finden Sie im trigon-film Magazin Nr. 26


Memoria del Saqueo (Chronik einer Plünderung)
Land: Argentinien
Jahr: 2004
Regie: Fernando E. Solanas
Recherchen: Fernando E. Solanas, Alcira Argumedo
Kamera: Alejandro Fernández Mouján, Fernando E. Solanas
Montage: Juan C. Macías, Fernando E. Solanas
Ton: Gaspar Scheurer, Jürg von Allmen
Musik: Gerardo Gandini
Produktion: Telma Film AG (Zürich), Cinesur S.A. (Buenos Aires), ADR Productions (Paris)
Format: 35mm / 1:1,85 / Farbe / DD
Länge: 118 Minuten
Originalsprache: Spanisch
Untertitel: d/f

Memoria del Saqueo

(Chronik einer Plünderung)

Es ist bald dreißig Jahre her, seit der Argentinier Fernando Solanas und zusammen mit dem Spanier Octavio Getano unter dem Titel «Kino der Dekolonisation» eine Art Manifest zur Unabhängigkeit der verschiedenen Kinematographien verfasst hat. Darin heißt es unter anderem: „Eine Kinematographie wie eine Kultur wird nicht durch ihre Geographie national, sondern nur dadurch, dass sie den besonderen Notwendigkeiten der Befreiung und Entwicklung eines jeden Volkes entspricht. Das Kino, das heute in unseren Ländern dominiert und von Infrastrukturen und Superstrukturen bestimmt wird - den Ursachen jeder Unterentwicklung - kann nur ein abhängiges Kino und damit konsequenterweise ein unmündiges und unterentwickeltes Kino sein.”

In seinem neusten Film beschreibt der Altmeister des lateinamerikanischen Kinos auf beeindruckende Art die katastrophalen Auswirkungen der Globalisierung. Fernando Solanas zeichnet die argentinische Krise der letzten Jahre nach und zeigt beispielhaft auch für andere Länder die Folgen neoliberaler Politik. Dabei arbeitet er mit Beobachtungen, Betrachtungen, Interviews und Archivmaterial, um Themen wie Korruption und Verschwendung öffentlicher Gelder in Privatisierungen zu thematisieren. Er setzt bei den Volksaufständen in Argentinien an, um zurückzublenden auf die Geschichte, die das reiche Land ruiniert hat, und um aufzuzeigen, wie die Welt der Globalisierer funktioniert. Sie sind einzig an der kurzfristigen Gewinnmaximierung für sich selber interessiert. Und sie sind austauschbar, dasselbe verlogen-verkrampfte Grinsen in Maßanzügen allüberall.

Der Film von Solanas ist auch ein Manifest für eine gerechtere und damit bessere Welt. Er schreibt: „Die Tragödie, die wir mit dem Scheitern der neoliberalen Politik erleben, hat mich dazu bewogen, wieder an den Ursprung meiner filmischen Tätigkeit zurückzukehren. Vor über vierzig Jahren setzte ich meine Suche nach politischer und filmischer Identität und das Bedürfnis, gegen die Diktatur anzukämpfen, im Film La hora de los hornos (Die Stunde der Hochöfen) um. Die Situation hat sich in der Zwischenzeit verändert - zum Schlechten: Wie ist es gekommen, dass Argentinien, diese «Kornkammer der Welt», Hunger leiden muss?

Das Land wurde ausgeplündert und leidet unter einer neuen Form der Aggression, schleichend und alltäglich, die mehr Tote fordert als der Staatsterrorismus und der Falklandkrieg. Im Namen der Globalisierung und des Freihandels endeten die sozioökonomischen Rezepte der internationalen Kreditanstalten im sozialen Genozid und in der finanziellen Aushöhlung des Landes. Wir rechneten nicht damit, dass die Verantwortlichkeit unserer Regierenden und die Korruption Carlos Menems und Fernando de la Ruas den IWF sowie die Weltbank und ihre Partner-Länder von ihrer eigenen Verantwortung entbinden würden. Verlockende Gewinne vor Augen, auferlegten sie uns neorassistische Pläne, die die sozialen Errungenschaften unterwanderten und Millionen von Menschen auf dem ganzen Kontinent in den Hungertod trieben, sie vorzeitig altern oder an Krankheiten leiden ließen. Ein Verbrechen gegen die Menschenrechte in Zeiten des Friedens.

Einmal mehr ist es dringend notwendig, dem Vergessen Einhalt zu gebieten und die Vergangenheit in Erinnerung zu rufen. Es war mir ein Anliegen, historische Bilder in einen neuen Kontext zu stellen und ein lebendes Fresko von den letzten drei schwer zu ertragenden Jahrzehnten zu entwerfen, von der Diktatur Videlas bis zur Volksrebellion vom 19. und 20. Dezember 2001, die schließlich in der zynischen Regierung der Allianz endete. Memoria del saqueo ist mein Beitrag zur dringend notwendigen Debatte, die in Argentinien, in Lateinamerika und in der ganzen Welt in der Überzeugung geführt wird, dass eine andere Welt möglich ist.”

© Walter Ruggle, trigon-film

Mehr zu diesem Film finden Sie im trigon-film Magazin Nr. 26


El Corazón de Jesús (El Corazón del Jesús)
Land: Bolivien
Jahr: 2004
Regie: Marcos Loayza
Drehbuch: Marcos Loayza
Kamera: Hugo Kovensky
Montage: Niko Remus
Ton: Robi Guver
Musik: Oscar García
Ausstattung: Victor Mamani, Sandro Alanoca
Produktion: ena Film GmbH
Format: 35mm / 1:1,85, DR
Länge: 90 Minuten
Originalsprache: Spanisch
Untertitel: d/f

El Corazón del Jesús

(El Corazón del Jesús)

Jesús Martinéz ist ein Beamter in La Paz, der eines Tages mit einem Infarkt hospitalisiert wird. Genesen sieht er sich vor einem neuen Problem: Nicht nur die Frau hat ihn mitsamt dem Geld verlassen, auch die Versicherung will nicht bezahlen. Dafür will es der Zufall, dass ein anderer seines Namens ins Spital muss. Eine Komödie ums Leben in versichertem Umfeld.

Die bolivianische Andenstadt La Paz ist gewiss kein alltäglicher Ort für eine Kinogeschichte. Umso schöner, dass uns diese leichte Komödie um einen, der sich um sein Geld betrogen fühlt und mit allerletzter Konsequenz den Rückbetrug angeht, endlich auch Gelegenheit bietet, etwas von der spektakulär und einzigartig gelegenen Stadt zu zeigen. In dieser Stadt lebt ein Mann namens Jesús. Er arbeitet seit vielen Jahren beim Finanzministerium, Sorte Büroangestellter, der entweder mit einem Herzinfarkt vom Stuhl kippt oder mit einem Früchtekorb in Pension entlassen wird.

Der bolivianische Regisseur Marcos Loayza war bereits mit seinen Kurzfilmen aufgefallen. Hier in seinem dritten Spielfilm inszeniert er ein kleines Schelmenstück in die Stadt La Paz und ihre Krankenzimmer. Gesundheit und Krankheit sind einander oft erschreckend nahe. Loayza sucht über das Herz Jesu gewissermaßen die Herzen seines Publikums. Er meint, dass die obskursten Zonen im Leben oft auch jene sind, in denen sich die kräftigsten Lichter zeigen. Der Regisseur hat seine Komödie wie eine klassische Sonate gestaltet und dabei auf die Musik des populären Sängers Ismael Serrano gesetzt, der jeden der fünf Teile musikalisch einleitet. Er zeigt uns über seine gespielte Krankheitsgeschichte, wie auch in einem armen Land wie Bolivien gelacht werden kann über das Leben und die Tücken seiner Bewältigung, und dass man weder den Mut noch die Ideen verlieren soll im Leben. Im Film spielt einer den Kranken, um zum Leben zurückzukehren. El Corazón de Jesús ist denn auch beim ganzen schwarzen Humor von einer Liebe zum Leben geprägt und von einer Herzlichkeit im besten Sinn.

© Walter Ruggle, trigon-film


Cuba Libre (Cuba Libre)
Land: Kuba/Österreich
Jahr: 2006
Regie: Carola Mair
Länge: 35 Minuten
Originalsprache: Spanisch
Untertitel: d

Cuba Libre

(Cuba Libre)

An der Freiheit des Anderen kommt keiner vorbei.

Der Film schildert eindringlich die Situation der Kubaner ihre eigene klare Definition von Freiheit zu demonstrieren - ohne dabei Verlierer des Systems zu werden.

Carola Mair zeigt in ihrem Film nicht nur das Aufbegehren einiger Kubaner gegen eine Ausbeutung ihrer eigenen Individualität - sondern vor allem die Auseinandersetzung mit Kultur - die als Ausdruck der geistigen Würde und persönlichen Freiheit zu sehen ist - im sozialen Zusammenleben, in Kunst, im Alltagsleben und in der Fremde.

Das zentrale Thema des Films ist Freiheit. Dabei kommt der Film nicht ohne Vergleich aus. Einerseits wird versucht - die kubanische Leichtigkeit des Seins darzustellen - z.B. in der Darstellung der kubanischen Musik als Ausdruck und Bestandteil des kubanischen freien Lebensgefühls.

Andererseits zeigt der Film den Widerspruch dass die kubanischen Vitalität häufig mit einer gewissen Lethargie einhergeht. Dokumentiert auf Themen wie kubanischer Freiheit - die ständig in Kuba gepriesen wird - und sich trozdem mehr und mehr Kubaner fragen, ob ihre Freiheit zwangläufig mit der Einschränkung der individuellen Möglichkeiten des Einzelnen bezahlt werden muß.

Trotz des relativ kritischen Themas soll der Film „Cuba libre” aber auch die Lebensfreude und Lebenslust der Kubaner aufzeigen - vor allem aber auch das engagierte Eintreten einzelner Künstler gegen zu große künstlerische Restriktionen.

© caromax production


Ricardo Hernandez
CONJUNTO COCODRILO
Ricardo Hernandez (Cuba)voc, quiro
Camilo Fernandez (Arg.)bass
Simon Raab 
Adi Nimmerfallvoc, flutes
Georg Edlingercongas, campana

Das Fest für Freunde VIII

Begegnungen mit unseren ausländischen Freunden

Das Fest für Freunde ist schon so lange so stark im SüdFILMfest integriert, dass man meinen könnte die beiden gehörten untrennbar zusammen. Was kann schon spannender sein als die im Film zu bewundernden Kulturen gleich nebenbei ganz wirklich erleben zu können. Das Team um Marianne Furtner, welche die Kontakte zu unseren Freunden knüpft und Georg Edlinger, der für eine professionelle Musikauswahl sorgt, findet zu jedem Filmthema die passende Ergänzung. Georg Edlinger hat für dieses Jahr mit der Musikgruppe «Conjunto Crocodilo» Spezialisten für kubanische Son Standards ausgewählt. Diese passt ganz wunderbar ins Filmprogramm und macht den Samstag zum uneingeschränkten Kubatag. Die Entstehungsgeschichte dieser Band ist eines der vielen Beispiele wie einfach es ist Freundschaften zu schließen. Sie klingt dann ungefähr so: Ich sah Ricardo zum ersten Mal im ehemaligen «Bluu Club» in Linz. Der Typ ist einfach klasse, dachte ich. Super Rhythmus, sehr musikalisch ein Naturtalent aus Kuba. Ich organisierte einen «Latin Jam» und lud ihn ein. Er kam, sang gleich den ganzen Abend - und es war sehr lustig! Das war im Smaragd in Linz. Ricardo nannte den Keller einmal «la cueva del cocodrilo» also die Höhle des Krokodils. Conjunto heißt eigentlich gemeinsam und ist ein im Spanischen häufig verwendeter Bezeichnung für eine Band. Folgerichtig heißt die Formation jetzt CONJUNTO COCODRILO.

Und genauso lustig wie diese Geschichte ist auch die Geschichte im nachfolgenden Film «Hacerse el Sueco».


>Hacerse el Sueco (Der Kuba Coup)
Land: Kuba/Spanien/Deutschland
Jahr: 2001
Regie: Daniel Diaz Torres
Drehbuch: Eduardo del Llano
Kamera: Raulk Péez Ureta
Montage: Guillermo S. Maldonado
Musik: Edsio Alejandro, Gerardo García
Ausstattung: Evelio Delgado
Produktion: ?
Format: 35 mm
Länge: 105 Minuten
Originalsprache: Spanisch
Untertitel: d/f
Darsteller: Peter Lohmeyer (Björn)
  Ketty de la Iglesia (Alicia)
  Enrique Molina (Amancio)
  Coralia Veloz (Concha)
  Mijail Mulkay (Rigoberto)
  Rogelio Blain ()
  Idelfonso Tamayo ()

Hacerse el Sueco

(Der Kuba Coup)

«Hacerse el sueco», „den Schweden spielen”, das heißt in kubanischer Umgangssprache auch: sich ahnungslos stellen, das Unschuldslamm mimen. Dies gelingt dem deutschen Ganoven Björn in jeglicher Hinsicht. Als harmloser schwedischer Literaturprofessor getarnt sucht er Unterschlupf vor der europäischen Polizei in der Touristenmetropole Havanna. Ausgerechnet in einem Polizistenhaushalt, bei dem pensionierten Amancio und seiner Frau Concha, findet der Gangster eine Adoptivfamilie. Mehr noch: er verliebt sich in Amancios Tochter Alicia. Was ihn nicht davon abhält, seinen kriminellen Machenschaften weiter nachzugehen. Darunter haben besonders die einheimischen Straßengangster zu leiden: Der Ausländer nimmt ihnen die Arbeit weg. Da die Polizei versagt, macht sich Havannas Unterwelt unter der Leitung Rigobertos selbst auf die Jagd nach dem Konkurrenten. Nach «Tropicanita (1998)» eine weitere turbulente Kriminalkomödie des deutsch-kubanischen Duos Lohmeyer - Diaz Torres.

Der Filmtitel enthält ein Wortspiel: die Sinn gemäße Übersetzung lautet Sich dumm stellen, während die wörtliche Sich zum Schweden machen heißt. Mit dieser Doppeldeutigkeit spielt der Film, wenn Björn sich in Havanna als schwedischer Literaturprofessor, der vor Ort die Besonderheiten der kubanischen Alltagssprache erforschen will, ausgibt. Björn aber ist weder Schwede noch Professor, sondern ein deutscher Krimineller, der nach Havanna gekommen ist, um im Schutz seiner Legende ungestört Raubüberfälle begehen zu können. «Björns» kubanisches Umfeld - allen voran der pensionierte Polizist Amancio, in dessen ärmlicher Wohnung der Deutsche ein Zimmer gemietet hat - merkt zwar bald, dass etwas faul ist an dem seltsamen Gast. Allenthalben tut man aber fleißig so, als würde man nichts merken. Man stellt sich dumm - schließlich ist im Kuba der Gegenwart mit seiner Mangelwirtschaft die Präsenz eines Ausländers im Haus immer noch eine der besten Möglichkeiten, um ökonomisch über die Runden zu kommen.

Der Chefkritiker der kubanischen Parteizeitung Granma gestand Hacerse el Sueco zwar zu, dass «wir Kubaner Spezialisten sind in der Kunst, über uns selber zu lachen», und lobte, dass dieser Film jede Menge Lacher produziere. Zu bemängeln hatte er jedoch die geringe Wahrscheinlichkeit der Handlungsanlage und forderte, es sollten doch endlich einmal ernsthafte Filme über Kubas Realität geschaffen werden. Bezüglich der Lacher ist dem Parteijournalisten sicher zuzustimmen. An dem Tag, als Hacerse el Sueco rund um die Uhr in Havannas größtem und populärstem Kino lief, raste der 1800 Personen fassende Saal vor Begeisterung. Die überfüllten Vorstellungen nahmen mit ihrem nicht enden wollenden Applaus fast Volksfestcharakter an.

©Geri Krebs, http://www.freitag.de


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