Der Verein SüdFILMfest
Filme aus dem Süden und dem Osten



Freitag 9. November, 19:30
Rajas Reise

(Schweiz, 2007, 78 min)
Montag, 12. November, 19:30
Otec soldata (Der Vater des Soldaten)
(UdSSR, 1965, 89 min, freigegeben ab 16)
Freitag, 23. November, 19:00
Grbavica (Esmas Geheimnis)
(Bosnien, 2005, 90 min)
In Anwesenheit des Regisseurs Karl Saurer;
Indisches Buffet und Getränke;
Einführung und Filmgespräch: Maria Valerjevna Kim aus Moskau;
In Zusammenarbeit mit HAK Amstetten (Mag. Gabriele Gstettenhofer);
Russisches Buffet und Getränke;
Dies ist eine Veranstaltung des Frauentreffpunkts Amstetten und anderer regionaler Organisationen zu den internationalen Tagen gegen Gewalt an Frauen.
Eintritt: € 6,- für Erwachsene, € 3,- für Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten. Eintritt: € 5,- für Erwachsene, für Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten frei.

Alle Veranstaltungen im Rathaussaal Amstetten; Vorverkauf im Kultur- und Tourismusbüro Amstetten;




Gente di Roma
Land: Schweiz
Jahr: 2007
Regie: Karl Saurer
Drehbuch: Karl Saurer, Elena M. Fischli
Kamera: Hansull Schenkell, Boney Keyar, Mathias Kälin
Montage: Loredana Christelli
Musik: Ajit Singh, Mafalda Arnauth, Giuseppe Larucca, Johannes Brahms
Produktion: Reck Film Produktion Zürich, Karl Saurer Filmproduktion
Länge: 78 Minuten
Originalsprache: Malayalam, Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Darsteller: P. V. Rajagopal
  Dr. K. S. Mathew
  Dr. Zoltan Biedermann
  Prof. Dr. Laura Stagno
  Dr. Hans Hass
  Muralee Krishnan

Rajas Reise
(Rajas Reise)

(Schweiz, 2007, Malayalam, Englisch, Deutsch/deutsche Untertitel)

Freitag, 9. November, 19:30, Rathaushof, Amstetten

Die Geschichte dieses Films begann wohl mit einem Fresko, einer Wandmalerei, in Südtirol. An der Fassade des gediegenen Hotels „Elephant zu Brixen” begegnet man einem Dickhäuter, der vor 450 Jahren auch in der heute mondänen Herberge zu Gast war. Was hatte der Elefant dort zu suchen?

Der Dokumentarfilmer Karl Saurer recherchierte und stieß auf eine verblüffende Geschichte: Anno dazumal hatte der portugiesische König Johann III dem Erzherzog Maximilian von Österreich, dem späteren Kaiser, einen Elefanten geschenkt. Damals war das Interesse an exotischen Tieren in Europa sehr groß. Und so begab es sich um 1550, dass Raja auf eine lange Reise geschickt wurde, aus den Wäldern Keralas über See nach Lissabon und Genua, über die Alpen und über die Donau bis ins kaiserliche Wien.

Karl Saurer ist den Spuren Rajas gefolgt und erzählt von einer außergewöhnlichen Elefantenexistenz. So erleben wir die Gefangennahme des kleinen Elefanten, die Schulung, die Arbeit im Wald; farbenfrohe Auftritte bei Tempelfesten – und wie er als Statussymbol europäischer Herrscher eingesetzt wird. Als Reiseleiter fungiert P.V. Rajagopal, ein sozialpolitisch engagierter Inder und aktiver Nachfolger Gandhis. Es kommen außerdem Forscher, Kuratoren, Historiker, ein Gefängnisbeamter und ein Landesarchivar zu Wort, die unter anderem von Reisestationen, Relikten, Dokumenten und einem Elefantenstuhl berichten.

Der Regisseur beschreibt aber auf seiner Dokumentarreise nicht nur eine historische Episode, sondern er spannt den Bogen weiter. Er zeigt erstaunliche Parallelen zu heute – zu Verschickung, Exil, Entwurzelung und Fremdbestimmung. Der Elefant wird zum Symbol von Existenzen, die in der globalisierten Welt untergehen. Derlei Gedanken und Assoziationen stellen sich ganz beiläufig ein, weil der Film keinen Kommentar abgibt und nicht schulmeistert. Die Bilder und Geschichten sprechen für sich.

Es ist ein leiser, stimmiger Film aus dem Gestern für das Heute.

© Christine Gruber, SüdFILMfest

Der Gandhi-Aktivist P. V. Rajagopal ist ein sozialpolitisch engagierter Zeitgenossen mit ausgeprägtem Interesse für andere Menschen und Kulturen. Weitere Informationen zu seiner Arbeit finden Sie unter www.ektaparishad.org oder unter oder www.cesci.ch.


Otec soldata (Der Vater des Soldaten)
Land: Russland
Jahr: 1965
Regie: Rezo Chkheidze
Drehbuch: Suliko Jgenti
Kamera: Liew Suchow, Artschil Filipaschwill
Musik: Sulchan Zinzadse
Produktion: Grusiafilm
Länge: 83 Minuten
Originalsprache: Georgisch, Russisch
Untertitel: Deutsch
Darsteller: Sergo Zagariadze (Giorgi Makharashvili)
  Vladimir Privaltsev (Nikiforov)
  Aleksandr Nazarov (Nazarov)
  Aleksandr Lebedev (Lebedev)
  Fiorenzo Fiorentini

Otec soldata
(Der Vater des Soldaten)

(Georgien, 1965, russisch/deutsche Untertitel)

Montag, 12. November, 19:30, Rathaussaal, Amstetten

Als Chrušcev das Erbe Stalins antrat, verurteilte er den „Personenkult” und beschuldigte das Kino, dessen Komplize gewesen zu sein. Das darauffolgende „Tauwetter” bewirkte in der sowjetischen Kinematographie grundlegende Veränderungen, was ein beachtliches Ansteigen der Filmproduktion zur Folge hatte. Zwar erreichte der sowjetische Film nicht die weltweite Anerkennung, die er einst in den zwanziger Jahren genossen hatte, aber die Filme wurden wieder sehenswert und auch international als positiver Beitrag zum kulturellen Leben der Sowjetunion gewertet.

Als einer der größten Filmerfolge des Jahres 1965 gilt „Der Vater des Soldaten”, der auch einer der letzten sowjetischen Kriegsfilme ist, die in Form und Inhalt der Periode des „Tauwetters” zugerechnet werden können. Denn mit Beginn der Ära Brežnev brach auch im kulturellen Bereich die Zeit der Stagnation an.

Die Handlung dieses georgischen Films ist einfach - doch gerade darin liegt der Charakter ihrer Allgemeingültigkeit. Der Regisseur und sein überzeugender Hauptdarsteller erzählen in diesem „road movie” vom Zusammenprall der Welt des Weinbauern Georgij Macharašvili und der des Frontsoldaten. Der bodenständige Alte mit seinen vom Dorfleben geprägten Verhaltensmustern ignoriert die Realität des Krieges. Selbst im Schützengraben lebt er konsequent nach seinen eigenen Gesetzen weiter, woraus sich Situationen voll Humor und Dramatik ergeben. Doch der scheinbar unbeholfene Alte verwandelt sich in einen zähen, tapferen Soldaten. Und noch bemerkenswerter als die Umwandlung von Passivität in Aktivität im Handeln der Hauptfigur ist das starre Gleichbleiben seines Wesens und seines Verhaltens im Alltag. Nicht die unmenschlichen Maßstäbe und Gestze des Krieges zwingen sich dem alten Soldaten auf, sondern er besitzt die urtümliche Kraft, seine bäuerliche Denkweise vom Pflanzen und Ernten, vom Erhalten und Pflegen seiner Umgebung aufzuprägen.

© Christine Gruber, SüdFILMfest


Grbavica
Land: Bosnien
Jahr: 2005
Regie: Jasmila Žbanić
Drehbuch: Jasmila Žbanić, Barbara Albert
Kamera: Christine A. Maier
Montage: Niki Mossböck
Ton: Nenad Vukdinović, Milan Stojanović
Musik: Enes Zlatar
Ausstattung: Kemal Hrustanović
Kostüme: Lejla Hodžić
Produktion: Coop99 Filmproduktion, Wien
Produzenten: Barbara Albert, Damir Ibrahimović, Bruno Wagner
Länge: 90 Minuten
Originalsprache: Bosnisch/d/f
Untertitel: Deutsch
Format: 1:1,85
Auszeichnungen: Goldener Bär, bester Film, Berlinale 2006
Friedensfilmpreis, Berlin
Preis der ökumenischen Jury, Berlin
Darsteller: Mirjana Karanović (Esma)
  Luna Mijović (Sara)
  Leon Lucev (Pelda)
  Kenan Catić (Samir)
  Jasna Ornela Berry (Sabina)
  Dejan Aćimović (Čenga)
  Bogdan Diklić (Šaran)
  Emir Hadžihafisbegović (Puška)

Grbavica
(Esmas Geheimnis)

(Bosnien, 2005, deutsch)

Freitag, 23. November, 19:00, Rathausssal, Amstetten

Zu den internationalen Tagen gegen Gewalt an Frauen veranstalten 11 regionale Organisationen im Rahmen der Amstettner Kulturwochen zwei Veranstaltungen.

  • Freitag, 23. Nov.: „Frei leben ohne Gewalt” Redewettbewerb von SchülerInnen zum Thema häusliche Gewalt und Filmvorführung.
    • 19.00 Redewettbewerb
    • 20.00 Buffet
    • 20.20 Preisverleihung
    • 20.30 Filmvorführung
  • Donnerstag, 29. Nov., 10:00: „Frei leben ohne Gewalt” Aktion am Hauptplatz Amstetten. Programm:
    • Hissen der Fahne „Frei leben ohne Gewalt”
    • Rede der Siegerin / des Siegers vom Redewettbewerb
    • Reden von Mitarbeiterinnen der regionalen Organisationen zum Thema häusliche Gewalt und von PolitikerInnen

MitveranstalterInnen: Frauenberatung Mostviertel, Frauenhaus Amstetten, un!da coaching, un!da services, Interventionsstelle gegen Gewalt NÖ, Amnesty International, Kidsnest, Beratungszentrum Rat & Hilfe, Männerberatung Mostviertel, MigrantInnenzentrum FAIR, Heilpädagogische Gesellschaft;


Die allein erziehende Esma lebt mit ihrer 12-jährigen Tochter Sara in Grbavica, einem Stadtteil von Sarajewo, in dem der Wiederaufbau nach den Jugoslawienkriegen der 90er Jahre nur langsam vorangeht. Weil Esma mit der dürftigen Unterstützung vom Staat nicht über die Runden kommt, nimmt sie eine Stelle als Kellnerin in einem Nachtclub an. Nur widerstrebend arbeitet Esma die Nächte hindurch, vor allem, weil sie dann weniger Zeit für ihre Tochter hat. Esma, die noch immer traumatisiert ist durch die gewalttätigen Ereignisse der Vergangenheit, sucht Hilfe in einer Gruppentherapie im örtlichen Frauenzentrum. Ihre Tochter Sara, ein lebhafter Wildfang, hat sich eng mit ihrem Klassenkameraden Samir angefreundet. Die beiden sensiblen Teenager sind sich sehr nah &ndash beide haben ihren Vater im Krieg verloren. Samir ist jedoch erstaunt, als er hört, dass Sara nichts über den Heldentod ihres Vaters zu berichten weiß. Saras Vater wird erneut zum Thema, als Sara für einen Preisnachlass bei der anstehenden Klassenfahrt den Nachweis benötigt, dass ihr Vater ein Kriegsheld (shaheed) war und den Märtyrertod gestorben ist. Esma behauptet, dass es schwierig sei, den offiziellen Nachweis zu bekommen, weil der Körper des Toten noch immer nicht gefunden wurde. Gleichzeitig versucht Esma verzweifelt, das gesamte Geld für Saras Klassenfahrt aufzutreiben. Als Saras Klassenkameraden sie damit hänseln, dass sie nicht auf der Liste der Märtyrerkinder steht, rastet Sara aus. Sie begreift, dass ihre Mutter den kompletten Preis für sie bezahlt hat und stellt sie aufgebracht zur Rede. Esma bricht zusammen und konfrontiert das Mädchen schonungslos damit, dass sie bei einer der zahlreichen Vergewaltigungen im Gefangenenlager gezeugt wurde. So schmerzhaft diese Auseinandersetzung ist: für Esma ist es der erste wirkliche Schritt zur Verarbeitung ihres tiefen Traumas. Und trotz Saras Verletztheit gibt es Hoffnung auf einen Neuanfang für die Beziehung zwischen Mutter und Tochter.

Anmerkung der Autorin:
GRBAVICA ist zuerst eine Geschichte über die LIEBE. Über eine Liebe, die unrein ist, weil sie mit Hass, Abscheu, Trauma und Verzweiflung vermengt ist. Es ist auch eine Geschichte der OPFER die – obwohl sie kein einziges Verbrechen begangen haben – immer noch nicht vollkommen unschuldig sind was kommende Generationen betrifft. GRBAVICA erzählt auch von der WAHRHEIT, einer kosmischen Kraft, die notwendig für den Fortschritt ist und die so sehr von den Menschen in Bosnien und Herzegowina gebraucht wird, um gesellschaftliche Reife zu erlangen.

© Sonja Mille, Frauenberatung Mostviertel

Aus dem trigon-film Mediendossier zum Film GRBAVICA haben wir hier noch weitere Informationen für Interessierte zusammengestellt: Allgemeines über die Regisseurin Jasmila Žbanićs und ein Interview mit ihr zu ihrem Film; dazu Gedanken von Walter Ruggle und eine Zusammenfassung der Geschichte Bosniens.

Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass es im trigon-film Magazin nr. 34 zwei ausführliche und ganz hervorragende Artikel zu diesem Film gibt. Der erste behandelt den Film an sich und ich habe zwei charakteristisch Absätze daraus für Sie zum Nachlesen ausgewählt. Der zweite Artikel fasst ein Interview mit der Regisseurin Jasmila Žbanić zusammen und auch aus diesem Artikel möchte ich einen Absatz hier vorstellen.




Diese Veranstaltungsreihe wird unterstützt von:

Stadtgemeinde Amstetten Land Niederösterreich Bundeskanzleramt




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